• vom 19.10.2014, 18:00 Uhr

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Update: 25.11.2014, 09:46 Uhr

Pop-CD

Mark Lanegan Band: Phantom Radio




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Von Heimo Mürzl

  • His Master’s Reibeisen: Neues von Mark Lanegan & Band.

Mark Lanegan, der Barde des dunklen Blues und die graue Eminenz des Alternative Rock, meldet sich mit einem neuen Album der Mark Lanegan Band zurück. Ob als Mastermind der Screaming Trees, als Mitglied der Stoner-Rock-Legenden Queens Of The Stone Age, als Partner von Isobel Campbell, mit den Soulsavers oder solo - Lanegan erwies sich stets als Künster, dem es gelang, Experimentierfreude mit Traditionsbewusstsein zu verknüpfen.

Der charismatische Musiker aus Seattle stellte seine unverwechselbare Reibeisenstimme immer in den Dienst der Songs und deckte dabei alles von (ganz) laut bis (ganz) leise, von schepperndem Blues über krachenden Rock bis hin zu Folk-Balladen ab. Und er verlieh mit seinem tiefen Organ noch den seichtesten Songs ein wenig Profil. Nicht viel anders verhält es sich nun mit "Phantom Radio", das ein weiterer bunter Mosaikstein in der musikalischen Vita Lanegans ist und sich als gewagter Versuch erweist, hemdsärmeligen Blues, gemäßigten Alternative Rock und gediegenen Folk mit Vintage-Elektronik zu koppeln.


Für die Drum-Sounds auf "Phantom Radio" hat sich Lanegan einer Smartphone-App bedient, der Rest wurde von ihm und drei befreundeten belgischen Musikern mit Gitarren und Synthesizern eingespielt. "Harvest Home" eröffnet den Songreigen und His Master’s Voice passt ideal zu den lakonisch-dunklen Lyrics.

Songs wie "The Wild People" - eine Art Blues-Entwurf im Elek-tro-Pop-Gewand - behalten den lapidar-düsteren Grundton bei, während "I Am The Wolf" als meditativ-elegische Ballade beeindruckt. "Torn Red Heart" und "Death Trip To Tulsa" sind eindrucksvolle Dokumente in Americana- und Desert-Rock-Tradition, während auf "Seventh Day" sogar ein Hippie-Touch auszumachen ist und das gewöhnungsbedürftige "Floor Of The Ocean" mit Depeche-Mode-Anklängen überrascht.

Was das Album letztlich über eine Durchschnittsproduktion hinaushebt, ist einmal mehr die dunkle Erzählstimme Lanegans, deren Kraft und Magie noch immer wirkt.

Mark Lanegan Band: Phantom Radio (Pias Coop)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Musikkritik, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-10-17 13:56:02
Letzte ─nderung am 2014-11-25 09:46:20



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