• vom 26.10.2014, 08:30 Uhr

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Update: 25.11.2014, 09:49 Uhr

Pop-CD

Zimmermänner, Die: Ein Hund namens Arbeit




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Von Andreas Walker

  • Kuriose Popgeschichte: Die Zimmermänner aus Hamburg.

Der Legende nach begann alles Ende der 70er Jahre auf einem Schulhof in Hamburg: Timo Blunck und Detlef Diederichsen beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Auf die Skafigh-ter, wie sie sich nannten und bei denen auch Bluncks Schwester Rica mit von der Partie war, wurde Alfred Hilsberg, Erfinder des Begriffs "Neue Deutsche Welle" und Gründer des Labels ZickZack, aufmerksam. Kurz vor dem Studiotermin benannten sich die Skafighter in Anlehnung an Eduard Zimmermann, den Urheber und jahrzehntelangen Moderator von "Aktenzeichen XY ungelöst", in Ede & Die Zimmermänner um. Als Rica kurz darauf die Band verließ, blieben Die Zimmermänner übrig.

Nach zwei Alben und zwei EPs war 1985 erst einmal Schluss. Blunck wurde Musikproduzent, Diederichsen Musikjournalist. Berühmt geworden sind allerdings die auch danach noch stattfindenden Weihnachtskonzerte im Hamburger Café "Schöne Aussichten".


Aber was hatten Titel wie "Die Nöte des kleinen Mannes" oder "Erwin, das tanzende Messer" eigentlich mit der NDW zu tun, die sich so häufig infantil-debil präsentierte? Eigentlich nicht viel. Als Die Zimmermänner 2007 ihr neues Album "Fortpflanzungssupermarkt" veröffentlichten, wurde die subversive Strategie, die Schwüle des deutschen Schlagers von den Genitalien in höhere Regionen zu verlagern ("Warum schmust du nie mit meinem Gehirn?"), umso deutlicher.

Aus der Kopulationsbereitschaft des Schlagers wird bei den Zimmermännern auch auf dem neuen Album eine Vivisektion der Populär- und Hochkultur. Da wird mit einem Bossa Nova der Internetkultur gedacht ("Ich habe Sie gegoogelt, Dr. Dobitz"), musikalisch dem James-Bond-Genre gehuldigt ("Wenn mein Mann das erfährt") oder Herodot mit Aeroflot ("Yvonne") zusammengebracht.

Passend zu diesen Gegenwartsreflexionen erscheint das 5-CD-Boxset "Die Wäscheleinen waren lang", welches das Frühwerk der Zimmermänner umfasst. Einer Auseinandersetzung mit einem kuriosen Stück Popgeschichte steht nun nichts mehr im Weg.

Die Zimmermänner: Ein Hund namens Arbeit (Tapete)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-10-24 15:35:03
Letzte ńnderung am 2014-11-25 09:49:26



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