• vom 10.11.2014, 07:49 Uhr

CDs

Update: 25.11.2014, 09:57 Uhr

Pop-CD

Wyatt, Robert: Different Every Time




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Uwe Schütte

  • Robert Wyatts musikalische Biographie als Doppelalbum.



Die wunderlichsten Gewächse stehen am Rande des bunten Gartens, der die Popmusik doch eigentlich ist. Auf Robert Wyatt jedenfalls trifft dies unzweifelhaft zu. Er ist quasi, um bei der Metaphorik zu bleiben, ein zwar krumm verwachsener, aber doch solider Baum, denn im Musikgeschäft ist er nun schon seit mehr als fünf Jahrzehnten verwurzelt.

Daher ist es nun an der Zeit für eine Biografie, welche die wundersame Karriere nacherzählt, die der 1945 in Bristol geborene Musiker in der Mitte der 1960er Jahre als Drummer der Prog-Avantgarde-Jazz-Legende Soft Machine begann.

Information

Robert Wyatt
Different Every Time
(Domino)


"Different Every Time" lautet aber nicht nur der Titel der von Marcus O’Dair verfassten Biografie, sondern ebenso ein nun erscheinendes Doppelalbum, auf dem man die musikalische Entwicklung Wyatts nachhören kann. Die Werkretrospektive ist zweigeteilt - auf CD Nummer eins, "Ex Machina", findet sich eine unter Beteiligung von Wyatt erfolgte Auswahl von 13 repräsentativen eigenen Stücken, während CD Nummer zwei, "Benign Dictatorships", ganze 17 Stücke anderer Musiker versammelt, bei denen Wyatt mitgespielt hat. Das Spektrum reicht von Anja Garbarek über Hot Chip bis zu Björk - und demonstriert, welch immense Anerkennung Wyatt unter seinen Kollegen genießt.

Die Kompilation beginnt mit dem Soft-Machine-Stück "Moon In June" von 1970; ein Stück, das knapp zwanzig Minuten dauert und mit seinen Jazz/Prog-Exkursionen zuerst einmal die Spreu vom Weizen trennt. Nach zwei Stippvisiten in Alben von Wyatts nächster Band, Matching Mole, geht es dann schnell ins Solo-Territorium des Musikers, der - nachdem er betrunken aus einem Fenster im vierten Stock gestürzt war - seit 1973 im Rollstuhl sitzt.

Für Wyatt-Novizen zu entdecken gibt es das wunderbare "The Age Of Self" (1985) oder das betörend holpernde "Free Will And Testament" (1997). Wie ein guter Wein wird Wyatts Solowerk immer besser, je älter er wird: Späte Highlights wie "Beware" (2003) und "Just As You Are" (2007) beenden schließlich diese betörende Hitsammlung der anderen Art.


Video auf YouTube





Schlagwörter

Pop-CD, Musikkritik, Rezension, Extra

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-11-07 14:32:04
Letzte ─nderung am 2014-11-25 09:57:21



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kokette Bescheidenheit aus Venezuela
  2. Der neue Augustin
  3. "Meine Jazzseele beeinflusst mich"
  4. "Eigentlich kannst du nur versagen!"
  5. Die Tasten aus Ottakring sind verstummt
Meistkommentiert
  1. "Eigentlich kannst du nur versagen!"
  2. Mit Monteverdi in den Mainstream
  3. Berührungsneugier
  4. Ein Wienerlied auf die Politik

Werbung



Klassik-CD

Mannheimer Schätze

Stamitz u. a.: Andreas Mannheim mit seiner Hofkapelle war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das musikalische Zentrum Mitteleuropas... weiter




Klassik-CD

Vom Belcanto zum Verismo

R. Chailly: Overtures, Preludes, Intermezzi Decca, 1 CD, ca. 20 Euro. Was auf den ersten Blick fantasielos erscheint, erweist sich als Versprechen für eine fruchtbare Zukunft. Riccardo Chailly... weiter





Pop-CDs

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z



Werbung