• vom 09.11.2014, 12:00 Uhr

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Update: 25.11.2014, 09:56 Uhr

Pop-CD

Pink Floyd: The Endless River




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Von Bruno Jaschke

  • Das "neue", 15. Studioalbum von Pink Floyd verbindet in künstlerischer Hinsicht nur mehr wenig mit den historischen Verdiensten der Prog-Rock-Band.

Als verbliebener Rest von Pink Floyd zur Archiv-Bastelei noch einmal im Studio: David Gilmour (links) und Nick Mason.

Als verbliebener Rest von Pink Floyd zur Archiv-Bastelei noch einmal im Studio: David Gilmour (links) und Nick Mason.© Harry Borden Als verbliebener Rest von Pink Floyd zur Archiv-Bastelei noch einmal im Studio: David Gilmour (links) und Nick Mason.© Harry Borden

Was für ein Wind vorweg! Umfassende Kampagnen im TV, auf Plakatwänden und in Form von Installationen sind, seit die Kunde von einem neuen Pink-Floyd-Album nicht ganz zufällig durchgesickert ist, der Veröffentlichung vorangegangen. So gewaltig die Ansprache der Öffentlichkeit mit PR- und Werbeaufwand, so mickrig die Versorgung ihrer medialen Dienstleister mit Primär-Material: Streams, geschweige denn physische Tonträger, wurden keine verschickt.

Wer "The Endless River", so der Titel des Werks, hören wollte, musste/durfte sich in das lokale Büro von Warner Music, unter deren Dach Pink Floyd nunmehr publizieren, zu einer Anhörung begeben. Nicht ohne beim Empfang das Handy abzugeben und zu unterschreiben, dass man auch keine Unartigkeiten wie illegales Mitschneiden anstellen würde.


Nun, wir reden immerhin von einer der gleichermaßen erfolgreichsten wie auch einflussreichsten Bands aller Zeiten: Über 250 Millionen verkaufte Tonträger; Mitbegründer des Artrock, Prog- rock, Spacerock oder wie auch immer man die Mischung aus psychedelischem, später in epischer Breite zerfließendem Rock und weit- und welträumigen elektronischen Klängen, Effekten und Collagen nun genau nennen mag. Solche wirtschaftlichen und pophistorischen Meriten mag man nicht durch ein paar Langfinger an den Computertastaturen unterminieren lassen.

Allerdings verbindet den neuen, mittlerweile 15. Studiostreich von Pink Floyd in künstlerischer Hinsicht nur mehr wenig mit den besagten historischen Verdiensten. Schließlich fehlt mit dem 1985 in Unfrieden ausgestiegenen Roger Waters die - vom früh erloschenen Genie Syd Barrett einmal abgesehen - wichtigste kreative Kraft der Band. Und "neu" ist grundsätzlich relativ. Sehr relativ: Das Material von "The Endless River" basiert auf den Sessions zur bisher letzten regulären Pink-Floyd-Platte "The Divison Bell". Das war 1993/94.

Aktuell sind nur zig Bearbeitungen durch eine ganze Produzentenriege, bestehend aus Phil Manzanera, dem vielseitig versierten ehemaligen Gitarrero von Roxy Music, Pink Floyds bewährtem Toningenieur Andy Jackson, dem umtriebigen Killing-Joke-Mann Martin Glover alias Youth und Floyd-Gitarristen David Gilmour himself. Dieser legte dann zusammen mit Drummer Nick Mason noch einmal Hand an die Tracks. Verkauft wird das Ganze nun als Widmung an den 2008 im Alter von 65 Jahren verstorbenen Keyboarder Rick Wright.

Die Widmung als solche ist würdig und recht, denn Wrights Rolle in der Geschichte von Pink Floyd wurde stets etwas unterbelichtet. Zum einen war er - was bei größeren Teilen der Hörerschaft nicht so richtig ankam - das für den Sound wichtigste Mitglied. Was er gegen einen Virtuosen wie Gilmour an technischem Defizit gehabt haben mochte, machte er durch Vielseitigkeit wett: Vom burlesken Spinett im Früh-Hit "See Emily Play" über sakrales Orgelspiel, Kassenklingeln und durchaus funkige Parts bis hin zu jenem Schwirren, Splittern und Rauschen, zu dem sich die Floyd-Stammklientel besonders gerne wegdröhnte, brachte er alle möglichen und unmöglichen Elemente ins Spiel.

Davon vermittelt diese sogenannte Hommage freilich kaum etwas. Von ein paar wenigen behänden Piano-Einlagen abgesehen, reduziert "The Endless River" Wrights Part weitgehend auf jenes sphärische Synthesizer-Gewaber, das schon Teile von "Wish You Were Here" von 1975 gefährlich nahe an Esoterik-Kitsch heranrückte.

Der Rest der fast ausschließlich instrumental ausgefallenen Platte ist dem freilich angepasst: Ein akustisches Wechselbad von in-trospektiven und forscheren Teilen, getragen von der fraglos schönen Gitarre David Gilmours und hin und wieder interpunktiert von verhallten Drums - und einmal auch von einem Saxofon. Recht geschmackvoll das Ganze, nur halt ziemlich belanglos. Und über die Langstrecke ein wenig ermüdend. "Louder Than Words", das einzige Stück mit Gesang von Gilmour und einem Text seiner Frau Polly Samson, deutet als eindringliche Ballade zum Abschluss immerhin an, wie es auch anders hätte gehen können.

Pink Floyd: The Endless River (Parlophone/Warner)




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-11-07 14:32:06
Letzte ńnderung am 2014-11-25 09:56:26




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