• vom 10.01.2015, 14:00 Uhr

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Update: 09.07.2015, 12:43 Uhr

Pop-CD

Panda Bear: Panda Bear Meets The Grim Reaper




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Von Uwe Schütte

  • Animal-Collective-Mann Noah Lennox alias Panda Bear veröffentlicht sein fünftes Soloalbum und zeigt sich darauf relaxter und grooviger als zuletzt.

Greift tief in die Sample-Kiste: Noah Lennox alias Panda Bear, hier verspielt im Tarn-T-Shirt posierend.

Greift tief in die Sample-Kiste: Noah Lennox alias Panda Bear, hier verspielt im Tarn-T-Shirt posierend.© Foto: Fernanda Pereira Greift tief in die Sample-Kiste: Noah Lennox alias Panda Bear, hier verspielt im Tarn-T-Shirt posierend.© Foto: Fernanda Pereira

Das fabelhafte Animal Collective besteht zwar bekanntlich nicht wirklich aus Tieren, versteht sich aber in der Tat mehr als ein Kollektiv denn als disziplinierte Band, da die Mitglieder des ursprünglich aus Baltimore, Maryland, stammenden Quartetts auch Soloalben veröffentlichen dürfen. Ein Privileg, das insbesondere Avey Tare (alias David Portner) und Panda Bear (alias Noah Lennox) gerne nutzen. Das letzte, nicht wirklich herausragende Animal-Collective-Album "Centipede Hz" ist mittlerweile gut zwei Jahre alt. Doch die Kerntruppe um Portner und Lennox hat unlängst demonstriert, dass ein Einzelwerk durchaus auch mehr zu leisten imstande sein kann als die kollektive Kreativität (wobei Ausnahmen freilich auch hier die Regel bestätigen).

Akustischer Gruselfilm
Letztes Jahr jedenfalls erfreute uns Avey Tare mit dem gespenstisch-guten Album "Enter The Slasher House", einer Art akustischem Gruselfilm. Und nun, kurz nach dem Jahreswechsel, liefert auch Panda Bear wieder ein neues Solo-Werk ab. "Panda Bear Meets The Grim Reaper" lautet der volle Titel seines bereits fünften Albums. Wie schon der formidable Vorgänger, "Tomboy" (2011), wurde auch die neue Platte in Lissabon aufgenommen, wo Lennox seit 2010 lebt. Dass er sich erneut Peter Kember als Produzenten an Bord holte, hat dem Album nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Der ehemalige Spacemen-3-Mann hat bereits den Platten von Yo La Tengo, Stereolab oder MGMT eine Klangmagie verpasst, die auch das neue Werk von Panda Bear verzaubert.


Leichtfüßig perlt es nämlich aus den Lautsprechern - und die Ergebnisse klingen deutlich relaxter und ungleich grooviger als noch auf "Tomboy". Eines aber hat auch Kember nicht antasten dürfen, nämlich den wie aus einer Blechdose klingenden, stark von Hall verzerrten Gesang des Panda Bear höchstpersönlich. Ihm kommt es ohnehin weniger auf den Sinngehalt seiner Texte als vielmehr deren klangliche Qualitäten an. Mustergültig zu beo-bachten etwa auf "Come To Your Senses", wo sich aus einem kurzen elektronischen Kuddelmuddel ein infektiöser Loop herausschält, über den dann sieben Minuten lang eigentlich nur die Frage "Are you mad?" wiederholt wird. Doch von solch eintöniger Wiederkehr des ewig Gleichen wird man weniger verrückt als vielmehr ästhetisch berückt.

In der ersten Singleauskopplung "Mr Noah" wiederum geht es dem Anschein nach um einen Hund gleichen Namens, denn im Hintergrund wird nicht wenig gebellt, während sich die Beats darüber spielerisch jagen und in einer Weise wild überkreuzen, die bei genauem Zuhören eine bezwingende Ordnung im Chaos erkennen lässt. Die Dominanz der Beats auf "Panda Bear Meets The Grim Reaper" führt der Musiker in aktuellen Interviews übrigens darauf zurück, dass er das Album ursprünglich mehr am Sound von Hip-Hop-Produktionen der 1990er ausrichten wollte. Ein tanzbarer Track wie "Crosswords" lässt erahnen, wie das Album wohl geklungen hätte, hätte eben doch nicht wieder Lennox’ Faible für Beach-Boys-artige Harmonien die Oberhand gewonnen.

Durchwehende Sounds
Meisterhaft sind die Spannungsbögen, die er auf dem Album zwischen Folk und Hip-Hop, Ambient und Electro zu ziehen versteht. Auf seiner sonischen Entdeckungsreise greift Lennox tief in die Sample-Kiste (wo er nicht zuletzt bei Tschaikowskis "Nussknacker" fündig wird), macht gerne Halt bei der Station Dub und scheut sich genauso wenig, ein bisschen in Richtung Trance zu schielen. So gut können das eben nur die Burschen vom Animal Collective.

Am stärksten nach seiner psychedelischen Hausband klingt Panda Bear dann auf dem kontemplativen "Lonely Wanderer", wo der geruhsame Rhythmus viel Raum lässt für durchwehende Sounds und solch verstörende Klangeffekte, wie sie für die Soundsignatur des Animal Collectives eben kennzeichnend sind. Auch in "Panda Bear Meets The Grim Reaper" stößt man immer wieder auf diese merkwürdigen Stellen, an denen man nicht recht weiß, was man da eigentlich gerade hört, und deshalb noch genauer hinhört. Genau so muss Experimental-Pop klingen - verschroben und doch zugleich zugänglich.

Panda Bear: Panda Bear Meets The Grim Reaper (Domino Records)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Musikkritik, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-01-09 14:53:04
Letzte nderung am 2015-07-09 12:43:02




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