• vom 31.01.2015, 07:00 Uhr

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Update: 09.07.2015, 12:55 Uhr

Pop-CD

Two Gallants: We Are Undone




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Von Andreas Wirthensohn

  • Konventionelle Kavaliere

Nein, glücklich, zufrieden und einverstanden mit dieser unserer Welt des 21. Jahrhunderts waren die "Zwei Kavaliere" aus Kalifornien noch nie. Seit ihrem Debüt "The Throes" (2004) singen sie mit der für sie typischen Mischung aus wehmütiger Klage und bebendem Zorn gegen alles an, was ihnen schwer auf der sensiblen Künstlerseele lastet.

Und auch das neue, fünfte Album, das Adam Stephens und Tyson Vogel jetzt vorlegen, beschäftigt sich gleich im Titelsong mit dem Niedergang unserer Kultur, die sich im "conspicuous consumption", dem auf Geltung ausgerichteten Konsum erschöpft. Wie überhaupt Fremdheit, Entfremdung und falsches Bewusstsein eine Art "Basso continuo" der zehn Songs bilden.


Seit sie zwölf sind, musizieren die beiden zusammen, ab 2002 traten sie als Two Gallants in und um San Francisco auf. Den Bandnamen hatten sie der Geschichtensammlung "Dubliners" von James Joyce entnommen. Den Höhepunkt ihrer Kreativität erreichten sie in den Jahren 2006 und 2007: Die zwei Alben ("What The Toll Tells" und ein selbstbetiteltes) sowie ihre "The Scenery Of Farewell"-EP, die sie damals binnen kurzem veröffentlichten, darf man getrost als Meilensteine des Indierock bezeichnen. Seither wurden, nach einer längeren Pause, die Verstärker noch ein wenig lauter gedreht, zunächst in "The Bloom And The Blight" (2012) und nun auch auf "We Are Undone", das sich irgendwo zwischen Neil Young und Dinosaur Jr. verorten lässt und zumeist ganz passabel funktioniert.

In den ruhigeren Songs kommt jetzt mitunter auch ein Klavier zum Einsatz ("Invitation To A Funeral", "There’s So Much I Don’t Know"), was die Ergebnisse allerdings auch glatter, weniger kratzbürstig als früher macht. Wie überhaupt das nervös Brodelnde, unsicher Tastende, impulsiv Vorwärtsstolpernde und Drängende, das vor allem die oft sieben oder acht Minuten langen Lieder der ersten Platten auszeichnete, deutlich konventionelleren Songstrukturen gewichen ist. Zu ihrer alten Form haben die Two Gallants noch nicht wieder zurückgefunden.

Two Gallants: We Are Undone. (Pias Coop)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Musikkritik, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-01-30 14:44:08
Letzte ─nderung am 2015-07-09 12:55:47



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