• vom 13.02.2015, 14:22 Uhr

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Update: 13.02.2015, 15:03 Uhr

Pop-CD

Pratt, Jessica: On Your Own Love Again




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Von Heimo Mürzl

  • Entrückte Schönheit
  • Das neue Album der US-Singer/Songwriterin Jessica Pratt.



Das Jahr 2015 erweist sich bisher als gutes Jahr für elfenhaft-kindliche Frauenstimmen, die lieblichen Charme, einnehmende Lässigkeit und verschrobene Intimität unter einen musikalischen Hut bringen. Neben Natalie Prass ist es vor allem die 1987 in San Francisco geborene Singer-Songwriterin Jessica Pratt, die auf ihrem Album "On Your Own Love Again" mit einer betörenden Mischung aus Sanftmut und Verschrobenheit zu beeindrucken weiß. 2012 hatte Pratt auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum mit fast klassischen Folksongs in der Tradition einer Joan Baez oder Joni Mitchell erstmals auf sich aufmerksam gemacht. 2014 zog sie aus dem zu teuer gewordenen San Francisco nach Los Angeles - auch, um räumlich mit einer zu Bruch gegangenen Beziehung abzuschließen.

Die Veränderungen in ihrem Leben spiegeln sich nun in der Musik. "On Your Own Love Again" ist ein zurückgenommenes Album, dessen entrückte Schönheit bestens mit dem dezent-aufgewühlten Duktus des Vortrags konveniert. Ganz intim zu Hause mit Vierspurgerät aufgenommen, trifft Pratt jeden Ton auf der Klaviatur der Gefühle. So werden wir Ohrenzeugen von neun zwischen Aufbegehren und Aufgabe sowie Hoffnung und Verzweiflung wechselnden Songs, die Jessica Pratt nicht nur stimmlich als verletzliche Grenzgängerin ausweisen. Mit Worten wie "As the heart grows older / it will come to such sights colder" schlägt sie wohl programmatische Töne an, um an anderer Stelle mit einfachen, aber wirkungsvollen Lyrics zu berühren: "There was a time that you loved me / There was a time when you said you want me to believe."


Die Arrangements konzentrieren sich auf das Wesentliche: Oft genügt eine in Moll gezupfte Akustikgitarre zur eindringlichen Stimme, um für Gefühlstiefe zu sorgen; ab und zu gesellt sich ein Clavinet oder eine Orgel dezent hinzu. Stark im Sixties-Folk verwurzelt, überrascht Pratt zwischendurch aber auch mit einem Touch Astrud Gilberto oder einem Hauch Françoise Hardy, um letztlich unverkennbar sie selbst zu bleiben. Ein zeitloses Album.

Jessica Pratt: On Your Own Love Again. (Drag City/Rough Trade)




Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Musikkritik, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-02-13 14:26:05
Letzte Änderung am 2015-02-13 15:03:24



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