• vom 08.03.2015, 07:29 Uhr

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Update: 09.07.2015, 13:08 Uhr

Pop-CD

White, Matthew E.: Fresh Blood




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Von Heimo Mürzl

  • Riese mit sanfter Stimme - Matthew E. White veröffentlicht sein zweites Album.



Der optische Eindruck lässt bei Matthew E. White eher an einen Indie-Nerd oder Folk-Hipster denken als an einen Soul-Visionär. Vollbart, Brille und schulterlange, zottelige Haare wollen so gar nicht zu den geschmeidigen Soulklängen passen, die der aus dem US-Bundesstaat Virginia gebürtige Singer-Songwriter mit seiner sanft-warmen Stimme ausstattet. Schon sein Debütalbum "Big Inner" (2012) beeindruckte als ans Herz gehende und Seele und Ohren streichelnde Songsammlung.

Auch auf seinem zweiten Album kümmert sich White um das Erbe der Black Music aus dem tiefen Süden der USA, richtet seinen Fokus dieses Mal aber noch stärker auf den Soul-Pop der frühen 1970er Jahre.


"Take Care My Baby" heißt der erste Song auf "Fresh Blood" - und Song- wie auch Albumtitel sind Programm. Obwohl vieles geläufig und nicht revolutionär neu klingt, lassen einen diese Lieder einfach nicht mehr los. Der perfekte Mix aus Soul, Gospel, Pop, Americana und Rhythm & Blues funktioniert, White klingt teilweise gelassener und beschwingter als auf seinem Debüt und die opulenten Arrangements und die fein abgestimmte Instrumentierung sorgen für den guten Ton.

Die Texte verhandeln die bekannten Themen rund um Glaube, Liebe, Hoffnung und Lust, Verlust und Tod, wobei White sich nicht nur als amüsant-ironischer Texter (wie etwa im Feel-Good-Song "Rock & Roll Is Cold"), sondern auch als einfühlsamer Geschichtenerzähler erweist, dem auch die dunkel gefärbten Töne mit Stil und Eleganz gelingen - zu überprüfen etwa bei "Tranquility", einer Hommage an den im Vorjahr verstorbenen US-Schauspieler Philip Seymour Hoffman.

"Feeling Good Is Good Enough" und "Love Is Deep" begeistern einerseits mit ausgeklügelten Arrangements für Streicher, Bläser und sonstige jubilierende und groovende Orchesterbestandteile, andererseits mit melodischer und harmonischer Opulenz und Gospel-Chören im Geiste der großen Soul-Labels. "Holy Moly" wiederum gefällt als seelenvolle, dunkel grundierte Ballade, die zu einem mitreißenden Songjuwel anschwillt.

Matthew E. White: Fresh Blood (Domino/GoodToGo)


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Schlagwörter

Pop-CD, Extra, Music, Musikkritik, Rezension

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-06 13:32:10
Letzte Änderung am 2015-07-09 13:08:25



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