• vom 13.03.2015, 16:00 Uhr

CDs

Update: 09.07.2015, 13:13 Uhr

Pop-CD

Barnett, Courtney: Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heimo Mürzl

  • Lässige Authentizität: Das Debütalbum der Australierin Courtney Barnett.



Nachdrücklich auf sich aufmerksam machte Courtney Barnett bereits mit ihrer "The Double EP: A Sea Of Split Peas" - und die Popplattform Pitchfork kürte "Avant Gardener", einen Song, der von Gartenarbeit, Asthma-Anfällen und Panikattacken erzählt, zum "Best New Track".

Die junge Frau aus Melbourne signalisierte mit ihren frühen Songs sowohl Witz als auch Haltung. Eigenschaften, die in einer Welt voll Ungemach und Ungewissheit nur allzu gern über Bord geworfen werden. Nach einer Tour mit Billy Bragg und nur drei Wochen im Tonstudio erscheint in diesen Tagen das erste Studioalbum der Singer-Songwriterin, das den richtigen Ton zur rechten Zeit trifft. Wir hören eine rotzig-frische Mischung aus heiligem Zorn, Nachdenklichkeit und verhaltener Romantik.


Was Barnett von der Konkurrenz unterscheidet, ist ihre lässige Authentizität: Unverblümt, mitunter sogar derb, aber nie ohne Witz und Selbstironie werden hier fiese Geschichten erzählt, in denen die Sängerin im dylanesken Tonfall banale Alltagsthemen und existenzielle Fragen miteinander verknüpft. Auf diesem Trip durch die moderne Welt bleibt ihre Musik aber stets bodenständig und schrammelig - die Beats und Hooklines schmiegen sich stimmig an ihre narrativen Vignetten, und wo es zu harmonisch zu werden droht, ist sofort ein Gitarrenriff als Korrektiv zur Stelle.

"Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit" überzeugt als Sammlung von Songs, die mit ihrer Mischung aus Schönheit und Schrecken sowie aus Glanz und Elend eine lässige Balance zwischen Irritation und Wohlgefühl erzeugen.

Das ist Indie-Rock im Geiste des Punk, der mit originellen Gedanken auch die richtigen Worte findet. Ob es sich um Nichtstun, grassierendes Hipstertum, vegane Ernährung, Küchengeräte oder einsame Nächte in New York handelt - die Songtexte sind Manifeste der Unverwechselbarkeit. Dazu spielt Courtney Barnett lässig Gitarre und lässt es auch einmal krachen und scheppern, ehe sie das Tempo wieder herausnimmt, wie etwa im lakonisch-zartbitteren "Depreston".

Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit (Marathon/Rough Trade)


Video auf YouTube





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-13 12:17:10
Letzte ─nderung am 2015-07-09 13:13:07



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kokette Bescheidenheit aus Venezuela
  2. "Eigentlich kannst du nur versagen!"
  3. Thelonious Monks gefährliche Liebschaften
  4. Roboten und Disco-Tanzen
  5. Der neue Augustin
Meistkommentiert
  1. "Eigentlich kannst du nur versagen!"
  2. Der neue Augustin
  3. Mit Monteverdi in den Mainstream
  4. Berührungsneugier
  5. Ein Wienerlied auf die Politik

Werbung



Klassik-CD

Mannheimer Schätze

Stamitz u. a.: Andreas Mannheim mit seiner Hofkapelle war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das musikalische Zentrum Mitteleuropas... weiter




Klassik-CD

Vom Belcanto zum Verismo

R. Chailly: Overtures, Preludes, Intermezzi Decca, 1 CD, ca. 20 Euro. Was auf den ersten Blick fantasielos erscheint, erweist sich als Versprechen für eine fruchtbare Zukunft. Riccardo Chailly... weiter





Pop-CDs

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z



Werbung