• vom 21.03.2015, 11:00 Uhr

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Update: 09.07.2015, 13:17 Uhr

Music

Base, The: Where Is My Weather




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Von Heimo Mürzl

  • "Where Is My Weather": The Base aus Graz erweisen sich auf ihrem neuen Album einmal mehr als charmante Fundamentalisten und Revolutionäre des Herzens.

Zeitlose Beständigkeit - bei jeder Wetterlage: The Base um Sänger Norbert Wally (Bild re.) sind bereits seit 1989 aktiv. Nun erscheint ein neues Album.

Zeitlose Beständigkeit - bei jeder Wetterlage: The Base um Sänger Norbert Wally (Bild re.) sind bereits seit 1989 aktiv. Nun erscheint ein neues Album.© Marija Kanizaj Zeitlose Beständigkeit - bei jeder Wetterlage: The Base um Sänger Norbert Wally (Bild re.) sind bereits seit 1989 aktiv. Nun erscheint ein neues Album.© Marija Kanizaj

Ab und zu gilt es, vor der eigenen Tür zu kehren. Man kann lange darüber diskutieren, ob Graz eine Band wie The Base eigentlich verdient hat - aber das Trio mit dem treffenden Namen ist nun einmal da und hat sich über die Jahre zu einer verlässlichen Größe im kurzlebigen Musikbusiness entwickelt. Dass die Band trotz einiger superber Alben und über vierhundert Konzerten noch immer den Status eines Geheimtipps innehat und ihr der kommerzielle Erfolg bisher versagt blieb, kommentiert Sänger und Gitarrist Norbert Wally so: "Unser Karriereverlauf gleicht dem Anstieg der Annenstraße vom Südtiroler Platz bis zum Hauptbahnhof. Der ist nicht gewaltig, aber stetig. Und der größte Erfolg ist ohne Zweifel die Tatsache, dass wir uns nach so vielen Jahren noch immer so gut verstehen."

Unpeinliche Romantik
1989 mit der klassischen Besetzung Gitarre, Bass und Schlagzeug gegründet, erspielten sich The Base rasch einen Platz in der heimischen Independent-Szene - Norbert Wally, Albrecht Klinger und Karlheinz Miklin jun. gelten bis heute als melancholische Indie-Rocker und unpeinliche Romantiker, sympathische Lebenskünstler und Revolutionäre des Herzens. Der kurzlebige Hype der Medien- und Publikumsaufmerksamkeit stand bei The Base niemals im Vordergrund; unbeirrt verfolgt die Band das Ziel, ihre eigene, ganz unverwechselbare Musik zu machen. Auch wenn sie nicht mehr die Jüngsten sind, beeindrucken die Drei von The Base dabei mit ihrer selbstbewussten und so gar nicht österreichischen Haltung.


Da gibt es kein Jammern betreffend des Revivals des (deutschsprachigen) Austropop, das gerade Bands wie Wanda und Bilderbuch an die Spitzen der Hitparaden und auf die Titelblätter der Musikmagazine schwemmt. "Ich sehe da kein Problem. Wir gehören zu denen, die Pop und Rock als ernsthafte Kunstform aufbereiten und freuen uns über ein wenig Aufmerksamkeit und über gute Verkäufe. Sportliche Wettkämpfe finden anderswo statt", bekennt Norbert Wally im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er wirkt dabei souverän und gelassen. Wie jemand, der den scharfen Wind von Enttäuschungen und Niederlagen ebenso kennt wie die sanfte Brise des Erfolgs und der Anerkennung - und alle Windstärken dazwischen.

Das nun erscheinende neue Album "Where Is My Weather" ist ein weiterer Mosaikstein in einem Gesamtwerk, dessen Qualität in seiner Beständigkeit und Zeitlosigkeit liegt. Dieses Album hätte auch vor 20 Jahren erscheinen können und ist bestimmt kein typisches Produkt der popmusikalischen Gegenwart. Es kommt nahezu ohne Hippness-Faktor aus und wirft auch nicht mit musikhistorischen Anspielungen um sich. Der knorrige Charme dieser stilsicher zwischen traditionellem Indierock und leisen, fein gesponnenen Balladen changierenden Songkollektion erschließt sich erst nach mehreren Hördurchgängen - dann aber umso intensiver.

"Where Is My Weather" gerät so zum Dokument kreativer Souveränität und beschert der Band mit der ihr eigenen Sturheit einen neuen Schaffenshöhepunkt. Die altersbedingte Ruhe und Gelassenheit scheint ihr dabei gut zu tun: "Der Unterschied zu früher ist: Ich kenne das Gefühl nicht mehr, dass ich unbedingt etwas haben müsste oder dass ich irgendetwas verpassen könnte", erläutert Wally und ergänzt, "dass es egal ist, ob du in Marseille, Reykjavík oder Graz Musik machst. Entscheidend sind immer die Emotionen, die du mit deiner Musik hervorrufen kannst."

Rau und sinnlich
Nicht zuletzt das Organ des Sängers prägt die Musik von The Base. Mit sonorer Stimme verhandelt Wally grummelnd, beschwörend und schmachtend Themen, die nicht nur in der sympathisch-lebenswerten, mitunter aber auch kleinkariert-provinziellen Kleinstadt Graz Gültigkeit haben. Dazu trifft ungeschliffen-rauer Gitarrenrock auf sinnliche Melodik - und das Grundinstrumentarium wird auch einmal durch den Einsatz von Akkordeon, Ukulele, Vibraphon, Trompete und Klarinette ergänzt. Die Frage, ob die Mitglieder von The Base von ihrer Musik leben könnten, beantwortet Norbert Wally humorvoll-charmant übrigens so: "Wenn ich keine Kinder hätte und bei meinen Eltern wohnen würde, wäre es möglich."

Live im Wiener Fluc am 11. April. Alle Tourtermine: www.the-base.at

The Base: Where Is My Weather (Konkord/Rough Trade)




Schlagwörter

Music, The Base, Pop-CD, Extra

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-20 11:38:07
Letzte ─nderung am 2015-07-09 13:17:04



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