• vom 11.04.2015, 17:00 Uhr

CDs

Update: 09.07.2015, 13:24 Uhr

Pop-CD

Nowhere Train: Tape




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bruno Jaschke

  • Neues vom österreichisch-amerikanischen Nowhere Train.

Der österreichische Pop verneigt sich vor seinen kontemporären Protagonisten. Das war gleichermaßen überfällig wie es als Initiationsakt eben doch überrascht: Auf dem neuen Album von Nowhere Train findet sich eine kongenial interpretierte, stilistisch stimmig auf "naturhaft" getrimmte Coverversion von Ernst Moldens "Hammerschmidgossn" und untermauert solchermaßen den klassischen Charakter dieser Gstettn-Ballade. Die anderen neun Stücke sind auf englisch, was logisch ist: Nicht nur weil zwei Amerikaner - Ryan Thomas Carpenter und Ian Fisher, beide aus Missouri - mit an Bord sind, sondern auch durch die Herkunft der anderen Mitglieder dieser Quasi-Indie-Supergroup österreichischer Provenienz mit transatlantischer Beteiligung: Sie kommen u.a. von A Life, A Song, A Cigarette oder von Naked Lunch, Play The Tracks Of, Love And Fist.

Das Ensemble, das ein gewisses Aufsehen durch Auftritte in ÖBB-Zügen und einem daraus resultierenden Film gemacht hat, beackert musikalisch ein Feld, über das in Österreich kaum Mitbewerber trampeln: Rootsiger Country-Folk zwischen Honky-Tonk-Schunkeligkeit und entspannter Lagerfeuer-Attitüde. Die Aufnahmen zum zweiten Album in der Cselley-Mühle entstanden denn auch streng analog, Computer und anderes elektronisches Zeugs hatten keinen Zutritt, dafür kam jede Menge Prärie-Instrumentarium wie Banjo, Mandoline und Pedal Steel zum Einsatz.


"Tape", wie die Platte heißt, hat neben "Hammerschmidgossn" noch mehrere Höhepunkte. Einer ist Carpenters herrlich schlüpfriges, dabei metaphorisch meisterhaftes "Toolbox Of Love", das musikalisch wohl eine Verneigung vor Johnny Cash, wahrscheinlich sogar direkt von einem seiner Songs abgekupfert ist. Mit "Play In The Sun" gibt es auch einen Pop-"Hit"; "Fun" wiederum zelebriert Loser-Seligkeit mit fast gospelhafter Feierlichkeit. Verblüffend schließlich die zwanglos herausgebretterte, kämpferisch gegen Ausbeutung agitierende Arbeiter-Hymne "9 To 5", die praktisch 1 : 1 auf Anand Wilders und Max Kardons Rock-Oper "Break Line" passen würde.

Nowhere Train: Tape (Recordbag/Hoanzl)




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-04-10 16:23:02
Letzte nderung am 2015-07-09 13:24:17



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Auffi, obi - und eini
  2. Steirische Sturschädel unter der Discokugel
  3. Ausgespielt?
  4. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
  5. Volle Töne, gute Laune
Meistkommentiert
  1. Ausgespielt?
  2. Ein Rabauke zeigt sich reuig
  3. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
  4. Interkontinental

Werbung



CD Klassik

CD

Benjamin Appl: Heimat. Sony Classical, 1 CD, ca. 14 Euro. (os) Wer in die Vorarlberger Lied-Mekkas reist, konnte schon Bekanntschaft mit Benjamin Appl schließen. Sonst ist der junge... weiter




CD-Kritik

Wiener Philharmoniker: 175th Anniversary Edition

Wr. Philharmoniker: 175th Anniversary Edition. DG, 44 CD, 1 DVD, ca. 149 Euro. (os) Zum 170. Geburtstag gab es eine Box mit ausschließlich Symphonien aus dem Aufnahmefundus der Deutschen Grammophon... weiter





Pop-CDs

9 / A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z



Werbung


Werbung