• vom 06.06.2015, 07:00 Uhr

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Update: 09.07.2015, 14:01 Uhr

Pop-CD

OZmotic & Fennesz: AirEffect




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Von Andreas Walker

  • "AirEffect", ein Album von OZmotic und Christian Fennesz.



Der niederländische Chemiker und Atmosphärenforscher Paul Crutzen popularisierte Anfang der Nullerjahre den Begriff des Anthropozäns, welcher das jüngere geologische Zeitalter bezeichnet, in dem der Mensch derart auf seine Umwelt einwirkt, dass er sie dauerhaft verändert und Klimawandel und Artensterben bewirkt. Wenn es ein Anthropozän gibt, so ist "AirEffect" eine archäologische Spurensuche aus dem Post-Anthropozän, die einen Rückblick ins Hier und Jetzt gestattet.

Christian Fennesz hat sich für diese Zeitreise mit dem Turiner Experimentalduo OZmotic zusammengetan und Spuren der Zivilisation gesammelt. Doch diese Spuren weisen keinen eindeutigen Zusammenhang auf. Sie sind zu Rätseln gewordene Soundmosaike, die Stanislao Lesnoj (Saxofone und Elektronik), SmZ (Percussion, Objekte und Elektronik) und Fennesz (Elektronik und Gitarre) zu bunt-luftigen Collagen verweben.

Information

OZmotic & Fennesz
AirEffect
(Folk Wisdom/Hoanzl)


Die enigmatische Klangästhetik der Zukunft, deren Code der Hörer zu entschlüsseln hat, verbindet tierische, menschliche und technische Fragmente: Gebell, Schritte, Geläut - eingerahmt von Jazz- und Ambientklängen. In "Hydro(P)S" legt sich das Saxofon über eine blubbernde Sumpflandschaft. Die globale Ökonomie wird in "LiquidMrkt" mit einer Schafherde kontrastiert. "Run To Ruin" berichtet vom Gewusel der Städte und "Anthropocene" verknüpft Wetterphänomene mit Geräuschen, die so klingen, als stammten sie von einem leidenden Tier.

"AirEffect" erzählt auf dokumentarische Weise von (genetischen) Übergängen, damit verbundenen Verlusten und von der Vergänglichkeit der Dinge, der Tiere, der Menschen. Das Album erzählt aber auch kurz von der Hoffnung: In "Epilogo" hinterlässt eine Frau auf einem Anrufbeantworter eine Liebeserklärung. Sie endet mit den Worten: "I am happy when you are happy. I am sad when you are sad. And when you are gone I miss you." Was wird uns traurig machen? Worüber werden wir uns freuen? Die Musik gibt hierauf vielleicht keine Antworten. Aber sie kann diese Fragen stellen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-06-03 16:47:04
Letzte ńnderung am 2015-07-09 14:01:46



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