• vom 26.06.2015, 16:00 Uhr

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Update: 25.08.2015, 12:05 Uhr

Pop-CD

Soak: Before We Forget How to Dream




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Von Andreas Wirthensohn

  • Intensiv und abgründig.
  • Bridie Monds-Watson alias Soak hat ihr Debüt veröffentlicht.



Es hatte fast etwas Berührendes, wie sie da vergangenen November so ganz allein auf der Bühne des Wiener "Blue-Bird"-Festivals stand, ganz in Schwarz, die Gitarre umgeschnallt, und fast schüchtern ein paar Lieder zum Besten gab. Und dazwischen immer wieder unverstellt glücklich verkündete, wie toll es sei, hier spielen zu dürfen. Bridie Monds-Watson heißt die junge Frau im richtigen Leben, als Musikerin nennt sie sich Soak und hat nun, nach einer eindrucksvollen EP, mit "Before We Forget How To Dream" ihren ersten Longplayer vorgelegt.

Ihr Künstlername sei eine Abkürzung für Soul und Folk, aber auch das Anagramm von "kaos", erklärt die jungenhaft wirkende Sängerin aus Derry. Dass sie aus Nordirland kommt, hört man ihrem Englisch recht deutlich an. Ihren Songs verleiht das etwas Rotzig-Raues, und man könnte sie sich auch ganz gut als Frontfrau einer eher handfesten Punkband vorstellen. Stattdessen hat sie fragile, nachdenklich-düstere Lieder im Angebot, existenzialistische Gedanken eines Teenagers, die ganz tief hinabbohren in die Welt und ins eigene Ich.

Information

Soak
Before We Forget How to Dream
(Rough Trade/Beggars Group)

Live am 12. Oktober in der Szene Wien.


"B A Nobody" heißt der Song, der sich gerade zu einer Art Hit entwickelt - was aber eigentlich etwas schade ist, denn musikalisch repräsentiert er die belanglose Hälfte dieser Scheibe. Das ist netter Dreampop, aufgehübscht mit Drumcomputer und ein paar anderen synthetischen Klängen (der aber auch ganz schrecklich missglücken kann, wie etwa in "Sea Creatures"). Aber das ist eben nicht das, wofür Soak seit ein paar Jahren schon von britischen Zeitungen als neuer Stern am Musikhimmel gefeiert wird.

Wie intensiv und abgründig diese junge Frau mit ihrer Gitarre klingen kann, das zeigen Songs wie das großartige "24 Windowed House" oder "Oh Brother", bei dem man glaubt, einer Liaison von Cat Power und Sinéad O’Connor zu lauschen. Solche Songs hatten die EP noch bestimmt; dass sie jetzt in die Minderheit geraten sind, ist jammerschade. Soak hätte das Zeug zu einem wirklich großen Debüt gehabt. So aber kann man allenfalls ahnen, was aus ihr noch werden könnte.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-06-25 19:05:06
Letzte ─nderung am 2015-08-25 12:05:06



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