• vom 20.09.2015, 15:00 Uhr

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Pop-CD

Die Kunst der Wiederholung




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Von Heimo Mürzl

  • Die Battles und ihr drittes Album "La Di Da Di".



Das New Yorker Experimentalrock-Trio Battles bezeichnet seine Musik selbst gerne als Mathrock. Ob man sie nun aber Math-, Prog-, Konzept- oder Noiserock nennt, ist letztlich egal. Ohne Zugeständnisse an Moden und Trends arbeitet hier eine Band Album für Album an einem unverwechselbaren Gesamtwerk. Ihre im Vierjahres-Rhythmus veröffentlichten Arbeiten sind nichts weniger als Dokumente solipsistischer Besessenheit und souveränen Beharrungsvermögens.

Das Trio bleibt seinem Credo - "We are always different, we are always the same" - stets treu und pflegt seit mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt die Kunst der stilvollen Wiederholung. Dabei beeindrucken die Battles mit einer ebenso dringlichen wie souveränen Verquickung von energetischem Instrumentalsound, digitalen Texturen und einer Prise klassischer Artrock-Ästhetik.


Die bewunderungswürdige Gratwanderung zwischen eruptivem Lärm, vertrackter Improvisation und rhythmischen Experimenten verhalf ihnen zu einem Alleinstellungsmerkmal. Nachdem auf den ersten beiden Alben - "Mirrored" (2007) und "Gloss Drop" (2011) - noch elektronisch verfremdete Gesangsparts zu finden waren, verzichten Dave Konopka (Gitarre, Bass), Ian Williams (Gitarre, Keyboards) und Schlagzeuger John Stanier auf ihrem aktuellen Album "La Di Da Di" vollständig auf den Einsatz von Stimmen.

An der prinzipiellen Machart ihrer Musik ändert das aber nichts. Wieder sind es Sounds und Songs, die auf die Überzeugungskraft der Wiederholung bauen und durch ausgeklügelte Modifikationen, flirrende Instrumentalspielereien und das präzis-motorische Schlagzeugspiel des Ex-Helmet-Drummers John Stanier ungeheure Sogwirkung erzeugen. "La Di Da Di" darf aufgrund seines reduziert-lautmalerischen Titels nicht nur als Kandidat für den Albumtitel des Jahres angesehen werden, sondern auch als überzeugende Weiterentwicklung einer Band, die ihre Musik hier noch vielschichtiger und suggestiver macht. Dabei werden musikalische Wege gesucht und gefunden, auf denen auch die Pop-Affinität stärker durchscheint.

Battles

La Di Da Di

(Warp/Rough Trade)




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Dokument erstellt am 2015-09-18 15:23:08



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