• vom 31.01.2016, 12:00 Uhr

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Mehr Queen als Sinatra




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Von Gerald Schmickl

  • Panic! At The Disco’s fünfter Streich - oder: Brendon Urie allein zu Haus.



So viel Queen war schon lange nicht mehr. Mitunter wirkt es, als wäre "Bohemian Rhapsody" in einer Art von musikalischer Supernova explodiert - und als hätten sich die Partikel dieser einstmals aberwitzig barocken "Suite" (aus dem Jahr 1975) an Songs des fünften Albums der US-Band Panic! At The Disco (P!ATD) geheftet, wo sie nun - wie kleine Sternschnuppen - noch einmal mit viel Aplomb verglühen. Auf mindestens jeder zweiten Nummer von "Death Of A Bachelor" vermeint man bohemische Choräle zu hören und den Glitzerstaub des königlich-manirierten Stücks förmlich zu spüren (ganz besonders intensiv auf der ausgekoppelten Single "Emperor’s New Clothes").

Information

Panic! At The Disco

Death Of A Bachelor

(Fueled By Ramen/Warner)

Dabei ist es Brendon Urie, dem als Sänger und Multiinstrumentalisten mittlerweile allein verbliebenen Mastermind von P!ATD (nachdem alle anderen bisherigen Mitstreiter der "Disco" - mit teils mehr, teils weniger Panik - entflohen sind) gar nicht darum gegangen, einen auf Fredddie Mercury zu machen. Urie hatte in Sachen Imitation und Adoration ein ganz anderes Kaliber im Blick (und vor allem Ohr): "Frank Sinatras Musik hat eine entscheidende Rolle im Soundtrack meines Lebens gespielt. Es ist also an der Zeit, dass ich mich revanchiere", hat er in einem Rundfunkinterview verraten.

Der Titelsong des neuen Albums ist nun Ergebnis dieses Ansinnens - und als "Beyoncé-Beats mit Sinatra-Gesang" von Urie selbst durchaus treffend beschrieben. Tatsächlich kann der ansonsten zum übertriebenen Bellen und Shouting neigende Sänger hier - und in ein paar zusätzlich swingenden Passagen - Crooner-Qualitäten andeuten. Leider fällt er aber - wie auch die beiden weiteren Singles, "Hallelujah" und "Victorious", zeigen - rasch ins forciert Deklamatorische zurück, und es kracht, clasht und blitzt, als müssten jeweils drei musikalische Feuerwerke auf einmal gezündet werden. Darunter macht es dieser (Melo-)Dramatiker und Pathetiker nicht. An Ideen fehlt es dem manischen Multitasker ja keineswegs, aber mehr Ökonomie wäre halt wünschenswert. So wie einst "Pretty Odd", das zweite P!ATD-Album (2008) mit seiner Sgt. Pepper-haften, rationierten Kunstfertigkeit eindrucksvoll demonstrierte. Aber damit wir uns nicht missverstehen: Auch hier gibt es viel Großartiges zu hören.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-01-29 16:08:05
Letzte ńnderung am 2016-01-29 16:28:05



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