• vom 01.05.2016, 13:00 Uhr

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Pop-CD

Mini-Suiten aus der Sahara




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Von Bruno Jaschke

  • Imarhan aus Algerien überzeugen mit ihrem Debütalbum.



Wenn man früher Desert-Blues sagte, meinte man unhinterfragt die US-amerikanische Wüste und damit Bands wie Thin White Rope, Giant Sand oder den Gun Club. Ungefähr drei Jahrzehnte später scheint die Seele dieser Musik in die Sahara (weiter)gewandert zu sein.

Information

Imarhan

Imarhan

(City Slang/Universal Music)

Tinariwen aus Mali haben die Brücke von der Musik der Tuareg zum Blues und Rock geschlagen, damit westliche Publikumssegmente begeistert und einen Grammy erhalten. Imarhan aus dem Süden Algeriens würden das durchaus auch verdienen. Zwischen beiden Bands bestehen übrigens personelle Verflechtungen: Eyadou Ag Leche von Tinariwen ist ein Cousin von Imarhans Frontmann Iyad Moussa Ben Abderahmane alias Sadam. Er hat die Entwicklung von Imarhan, deren Name "die, die mir etwas bedeuten" bezeichnet, von Anfang an als eine Art Mentor begleitet und auch ein paar Songs auf deren Debütalbum produziert und mitgeschrieben.

Ein Klon wurde damit gleichwohl nicht geschaffen: Obwohl auch bei Imarhan, die in Tarma-shek, der Sprache der Tuareg, singen, die Verwurzelung in den traditionellen Idiomen der Region die Basis bildet, absorbiert ihre Musik stärker als bei Tinariwen westliche Elemente wie Funk und eine sehr trockene, unpathetische Spielart von Rock. Es könnte auch sein, dass Imarhan aus dem Jazz einige nützliche Lektionen über Timing und die Wichtigkeit von Leerräumen bezogen haben.

Nicht selten sind die melodiös wunderbar wendigen Stücke, die laut Plattenfirma von Liebe, sozialen Fragen und dem Leben in der Wüste handeln, Mini-Suiten: Songs, die sich über recht sparsamer Percussion gemächlich aufbauen, mit kühnen, treibenden, vertrackten Gitarren Fahrt aufnehmen und dabei, ohne viel Krach zu machen, eine Intensität erreichen, die den Hörer schwindlig machen kann. Durch "Arodj N-Inizdjam" und insbesondere den Titeltrack fließt eine Energie und Hochspannung, dass eigentlich ein Warnhinweis an der Platte angebracht werden müsste.

Ach ja, wenn sich wieder einmal die Frage nach den Perspektiven der Gitarre im Pop auftut: Einfach in die Sahara schauen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-29 16:17:04
Letzte ─nderung am 2016-04-29 16:43:28



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