• vom 15.05.2016, 14:00 Uhr

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Pop-CD

Nebelverhangene Laszivität




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Von Andreas Walker

  • Keine Entspannung in Hörweite: "Hold/Still", das neue Suuns-Album.

Düsteres Cover, Gefühle der Enfremdung: "Get in" von den Suuns aus Montreal.

Düsteres Cover, Gefühle der Enfremdung: "Get in" von den Suuns aus Montreal. Düsteres Cover, Gefühle der Enfremdung: "Get in" von den Suuns aus Montreal.

Information

Suuns

Hold/Still

(Secretly Canadian/Trost)

Über Suuns spalten sich die Geister: Während die einen ihre schillernde Mischung aus Krautrock und Elektronik samt Post-Punk-Elementen - insbesondere bei ihrem Debut "Zeroes QC" (2010) - ausgiebig feierten, so warfen andere ihnen - spätestens beim Nachfolger "Images Du Futur" (2013) - vor, distanziert, kalt und zu klinisch zu klingen.

Immerhin brachte der Erfolg des ersten Albums der Band aus Montreal die Ehre ein, 2012 das "Sonic City"-Festival in Belgien zu kuratieren. Auf der Gästeliste standen u. a. Swans, Fuck Buttons, Matana Roberts und Clinic. Mit Letzteren teilen Suuns die Neigung zur psychedelischen Musik der 1960er Jahre, die sie in einen minimalistischen Art-Pop transponieren. Zusammen mit Jerusalem In My Heart, einem Musikprojekt von Radwan Ghazi Moumneh, der ebenfalls in Montreal ansässig ist und auch Gast beim Festival war, brachten sie im letzten Jahr ein selbstbetiteltes Album heraus, das wiederum viele Kritiker begeisterte.

Suuns, das im Thailändischen (Suun) Null, Nichts oder auch Leere bedeutet, wurden 2007 von Ben Shemie und Joe Yarmush gegründet. Das Duo wurde bald um Liam O’Neill und Max Henry zum Quartett erweitert. Der Titel des neuen Albums bezieht sich auf eine mittels Lochkamera aufgenommene Fotografie, bei der das "Objekt" vier Minuten stillhalten muss. Von Stillstand kann aber nicht unbedingt die Rede sein. Der Sound ist etwas roher geworden, was vielleicht Produzent John Congleton anzurechnen ist.

Entfernte Einflüsse bezüglich der Experimentierfreudigkeit der Soundcollagen könnte man Throbbing Gristle oder Radiohead anlasten. Auch wenn die Geschwindigkeit bei einem Song wie "Translate" über das gewohnte schlafwandlerische Maß hinausgeht, überwiegt doch die Stimmung dezenter, nebelverhangener Laszivität, begleitet von Gefühlen der Entfremdung. "Resistance", "Paralyzer", "Brainwash" oder "Nobody Can Save Me Now" sind denn auch symptomatische Sinngebungen, die zwischen Beklemmung und nachdenklicher Einkehr oszillieren. Eine Lösung dieser Spannung offerieren Suuns allerdings bewusst nicht.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-05-12 18:41:09
Letzte nderung am 2016-05-12 19:11:28



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