• vom 29.05.2016, 20:30 Uhr

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Pop-CD

Alle Farben der Dunkelheit




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Von Andreas Wirthensohn

  • Marissa Nadlers neues Album, "Strangers", erweitert ihren Songwriter-Folk.

Sieben Alben in zwölf Jahren sind wahrlich ein Zeichen großer Produktivität, wecken aber natürlich auch den Verdacht, da werde reichlich wahllos Songmaterial unters Volk gebracht. Marissa Nadler, die in Boston lebende Mittdreißigerin, gilt seit ihrem Debüt "Ballads Of Living And Dying" (2004) als eine der wichtigsten Vertreterinnen dessen, was man als Gothic Folk oder New Weird America bezeichnet: abgründiger, teils leicht feenhafter, teils etwas verschrobener Folk, der sich mit dem Übernatürlichen ebenso gerne beschäftigt wie mit den Abgründen der menschlichen Seele.

Alela Diane, Hope Sandoval, Joanna Newsom oder Espers heißen die bekanntesten (und überraschend häufig weiblichen) Stimmen dieser psychedelischen Americana-Spielart. Nadlers Mezzosopran und der instrumentelle Folkpurismus (Gitarre, Banjo oder Ukulele als Hauptinstrumente) ergänzten sich von Anfang an prächtig mit den düster-melancholischen Texten, die finstere Gefühlslagen gerne in Geschichten verpackten.

Information

Marissa Nadler
Strangers
(Pias Coop/Bella Union)

Seit "July" (2014) hat dieser eher klassisch orientierte Singer-Songwriter-Folk, der schon etwas langweilig zu werden drohte, eine neue, bemerkenswerte Richtung genommen. Produziert wurde diese Platte von Randall Dunn, der unter anderem schon bei Sunn O))) und anderen Größen aus dem progressiven Metal-Bereich als Produzent mit von der Partie war, und er zeichnet auch für das jüngste Werk, "Strangers", verantwortlich.

Mit ihm hat Nadlers Musik einen kräftigen Schuss Shoegaze und Drone verpasst bekommen, der das Gehaucht-Ätherische deutlich dämpft und "All The Colors Of The Dark" (wie ein Song heißt) stärker zum Leuchten bringt.

Songs wie "Katie I Know", "Skyscraper", "Waking" oder das Titelstück zeugen von dieser Weiterentwicklung. Sie sorgt für musikalische Unterströmungen und Untiefen, die Marissa Nadlers siebtes Album zu einem ihrer besten und abwechslungsreichsten machen. Und das ganz klassisch endet: Das eindringliche "Dis-
solve" verzichtet auf alles Elektronische und entlässt uns allein mit Gesang und Akustikgitarre.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-05-27 14:47:02
Letzte ─nderung am 2016-05-27 14:47:56



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