• vom 11.06.2016, 17:00 Uhr

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Pop-CD

Auferstehung der Totgeglaubten




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Von Bruno Jaschke

  • Ein Projekt über die Wiener Neustädter Post-Punk-Szene der frühen 80er Jahre.

"Vor mehr als drei Jahren sind zwei junge Filmemacher an uns herangetreten, um einen Doku-Film über die Wiener Neustädter Musikszene der 80er Jahre zu machen. Wir haben uns gefragt, inwieweit das überhaupt von Interesse sein könnte", erinnert sich Hannes Eder. Er war bis vor kurzem Österreich-Chef des Platten-Konzerns Universal Music. In einer etwas ferneren Vergangenheit, in den 80er und frühen 90er Jahren, war er als Bassist der Bates auch Teil jener Wiener Neustädter Szene, die nun die Regisseure Karin Neumüller und Sven Bechtloff ins Licht rücken wollten.



"Da kam", fährt Eder fort, "bald der Hinweis, dass Platten der damaligen Protagonisten bei der Tonträger-Börse Discogs Rekordpreise erzielen. Wir haben draufgeschaut und festgestellt, es stimmt, da werden für Singles von Bands wie Dämmerattacke oder X-Beliebig bis zu 600 Euro gezahlt! Nicht von Österreichern, sondern von Franzosen, Italienern, Japanern, Israelis. Diese Musik wird in internationalen Sammlerkreisen gehypt."

Information

V. A.

"Neubeginn" und "Und es fängt von Neuem an"

(Monkey/Schallter/Rough Trade)

Neben Wien und Linz wird nun also Wiener Neustadt als drittes Zentrum popmusikalischer Pionierarbeit retrospektiv gewürdigt. "Gemessen an der Einwohnerzahl, hatte Wiener Neustadt vielleicht sogar die größte Dichte an guten Bands", meint Eder.

Die Blütezeit der Szene war in den frühen 80er Jahren. Eine per Crowdfunding finanzierte Compilation, die wie der Doku-Film den Titel "Und es fängt von Neuem an" trägt, holt einige der damaligen Bands aus der Versenkung. Rückblickend fällt auf, dass diese zumeist deutsch singenden Formationen bereits zwei Schritte über die damals in Wien und Linz noch weitgehend maßgebliche "reine" Punk-Lehre hinausgegangen waren und sich bereits mehr an düsteren britischen Post-Punk-Bands wie The Cure oder Joy Division orientierten. Mehr als 30 Jahre später unterziehen die Protagonisten die Musik von damals einem Gegenwartstauglichkeitstest und spielen als Septett Songs ihrer früheren Bands auf einer zweiten CD neu ein. Sinnigerweise nennt sich dieses Projekt Totgeglaubt.

So hieß übrigens schon seinerzeit eine der besten Bands der Wiener Neustädter Szene . . .





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-10 16:41:18
Letzte ─nderung am 2016-06-10 16:56:30



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