• vom 18.06.2016, 14:00 Uhr

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Pop-CD

Kirchen, Kneipen, Clubs




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Von Heimo Mürzl

  • Ein Album der kühnen Kontraste: "Eyeland" von The Low Anthem.



Fast ein Jahrzehnt lang stand die US-Band The Low Anthem für Indiefolk-Hymnen von sakraler Erhabenheit und ergreifender Schönheit. Besonders anmutig gerieten sie, weil sie zwei- oder mehrstimmig angelegt waren und die andächtigen Minidramen so besonders atmosphärisch zur Geltung kamen. Beim Hören der Songs von The Low Anthem fühlte man sich nicht selten so, als ob man sich am Sonntag in der Kirche zur gemeinschaftlichen spirituellen Hingabe treffen würde.

Information

The Low Anthem

Eyeland

(Razor & Tie/Rough Trade)

Gegründet wurde die Band 2006 vom Duo Ben Knox Miller und Jeff Prystowsky, das sich in Rhode Island beim Baseballspielen kennen gelernt hatte. Schönheit und Anmut waren die Haupterkennungsmerkmale der Musik von The Low Anthem, die elegant austarierte Klangästhetik war der Grundpfeiler ihres Schaffens. Das Ergebnis war stets Wohlklang ohne Kitsch und betörende Musik, in der starke Emotionen Platz und Zeit zum Gedeihen fanden.

Nach fünf Jahren Pause erscheint nun mit "Eyeland" das fünfte Studioalbum der Band. Es überrascht mit einer ebenso prägnanten wie spannenden Akzentverschiebung. Das Klangspek-trum wurde nicht nur erweitert, sondern zum Teil sogar korrigiert, sodass viele Songs wie ambitioniert-pittoreske musikalische (Dekonstruktions-)Versuche aus dem Klanglabor klingen. Mit ihrer Verschränkung so unterschiedlicher Welten wie Kirchen, Kneipen und Clubs gelingt es The Low Anthem, Tradition und Modernität so klug zu überblenden, dass man ihrer Aussage zustimmt, auf diesem Album "Future Folk" zu hören.

Letztlich geriet "Eyeland" zu einem Konzeptalbum der kühnen Kontraste - erhabene Klangkathedralen und virtuose Songgemälde stehen experimentellen Avant-Noise- und verqueren Ambient-Klängen gegenüber, während die Pianoballade "Dream Killer" von spiritueller Hingabe zeugt.

Die Ausflüge in avanciertere Soundwelten mögen mitunter ein wenig überdreht und konstruiert erscheinen, ergänzen sich über weite Strecken des Albums - von dem es 2017 eine Bühnenversion geben soll - aber stimmig mit den noch immer vorhandenen Momenten theatralischer Feierlichkeit und erhebender Schönheit.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-16 17:29:03
Letzte ─nderung am 2016-06-16 18:05:33



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