• vom 24.09.2016, 15:00 Uhr

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Pop-CD

Zeitlos aktueller Retro-Futurismus




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Von Uwe Schütte

  • "White Glue", das neue Album des britischen Electronik-Trios Wrangler.



Wrangler sind eigentlich eine Art Electronica-Supergruppe: Sänger Stephen Mallinder war Gründungsmitglied von Cabaret Voltaire; Synthie-Experte Benge hat bereits bei John Foxx die Rolle eines Elder Statesman elektronischer Musik gespielt und stellt seine große Sammlung an Modular-Synthesizern zur Verfügung; und schließlich ist da noch Phil Winter, dessen Folktronica-Gruppe Tunng ein paar so meisterliche wie sträflich unterbewertete Alben gemacht hat.

Wie außerordentlich gut das Wrangler-Debüt "LA Spark" (2014) war, unterstreicht die heuer erschienene Remix-Kompila-

Information

Wrangler

White Glue

(Memetune Recordings)

tion "Sparked". Jeder der Tracks darauf ist eminent hörbar, was freilich auch an Knöpfchendrehern wie Daniel Miller, Chris Carter oder Scanner liegt. Mit ihrem neuen Album, "White Glue", zeigen Wrangler nun endgültig, dass sie wissen, wo man die vielen bunten Käbelchen reinstecken muss, damit aus den Modular-Synthesizern jener Sound kommt, der durch seinen retrofuturistischen Charme die Zukunft der Vergangenheit hörbar macht und mithin zeitlos aktuell klingt.

Schon beim Opener "Alpha Omega" zeigt das Trio, wo es langgeht: die ersten paar Sekunden denkt man, irgendwo in den 80ern gelandet zu sein, bis die verzerrte Stimme von Mallinder erklingt, die davon singt, dass es stets einen Anfang und ein Ende gibt. Doch bevor man sich darüber allzu viele Gedanken macht, hat der Track einen derart fesselnden Groove entwickelt, dass alle Körperglieder wie unter Zwang mitschwingen.

Auf "Clockwork" aktualisieren Wrangler den Sound von Kraftwerk, mit "Stop" wird der neoliberale Konsumismus verdammt, und auf "Days" beschwören die Briten eine apokalyptisch-para-noide Atmosphäre zwischen virtuellen Nicht-Orten von "Tron" und Bowies Synthie-Klanglandschaft "Neuköln". Mit dem Ambient von "Colliding" endet diese tolle Platte dann mit einer bezaubernd träumerischen Note, was nicht nur empfindsame Gemüter betört zurücklässt.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-22 17:14:08
Letzte ─nderung am 2016-09-22 17:34:59



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