• vom 22.10.2016, 14:00 Uhr

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Pop-CD

Exzesse im Kleinformat




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Von Andreas Rauschal

  • The Crispies aus Wien und ihr Debütalbum "Death Row Kids".



Sollte man es sich nicht leisten können, das Band-Equipment nach jedem Auftritt zu Brei zu schlagen: Hey, es reicht auch, ein Gefühl von Zerstörungswillen in die Augenpartie zu legen oder über die Musik selbst zu vermitteln, dass man die Welt in Flammen sehen will. Rock ‚n‘ Roll ist eine Scheißwut auf das System plus einmal Selbstzerstörung extra - bei gleichzeitiger Orientierung nach vorne (und nur nach vorne). Sollte es so etwas wie ein Gestern überhaupt je gegeben haben: Es möge sich bitte schleichen, einrexen und zum Teufel gehen. Wir sind jetzt da - und wir genügen uns selbst!

Information

The Crispies

Death Row Kids

(Seayou/Rough Trade)

Live am 27. Oktober im Wiener Chelsea.

Das ist nun immer eine spannende Einstellung bei Bands, die ausgerechnet Musik machen müssen, die es seit mittlerweile rund fünf Jahrzehnten gibt. Damals begannen schließlich auch Pete Townshend und The Who, Konzerte als Vorspiel für ein Nachspiel anzulegen, das die Veranstalter aufgrund der eingangs beschriebenen Wüterei regelmäßig verzweifeln ließ. Meine Bühne! Meine schöne, schöne Bühne! Oder besser das, was von ihr noch übrig ist.

The Crispies aus Wien sehen zwar trotz Lederjacke, zerrissener Jeanshose, Out-of-Bed-Frisur und Dosenbier in der Hand nicht aus, als müsste das System nun freiwillig vor ihnen kapitulieren. Schnallt man ihnen Gitarre und Bass um und gibt ihnen Trommeln oder Kochtöpfe zum Dampfablassen und Draufhauen, wird man aber womöglich staunen.

Das nun erscheinende Debütalbum mit dem programmatisch-fatalistischen Titel "Death Row Kids" verleiht jener Musik, mit der sich zahllose sogenannte "The"-Bands vor mittlerweile auch schon wieder fünfzehn Jahren an das Aufwachsen ihrer Eltern erinnerten, tatsächlich eine Art neue Dringlichkeit. Wir hören zehn exzessive Songs in knapp 34 Minuten. Dabei sind die mit reichlich Hall versehenen und von Tino Romana an der Front mit der nötigen Dosis Hysterie in der Stimme besungenen Dreiminüter weniger dem Lo-Fi-Einschlag des Garagenrock als eher der etwas größeren Pop-Geste der Black Keys verpflichtet. Alles schwitzt. Und riecht sexy.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-20 19:32:09
Letzte ─nderung am 2016-10-21 12:15:37



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