• vom 03.12.2016, 10:00 Uhr

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Pop-CD

Wo die Dämonen wohnen




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Von Andreas Rauschal

  • Über das neue Album des in Wien lebenden Musikers Philipp Hanich alias Bruch.



Information

Bruch

The Lottery

(Cut Surface)

Albumpräsentation am 10. Dezember im Wiener Rhiz.

Sollte zum Frühstück wieder einmal die Milch ausgegangen sein, ist das im Grunde egal. Zutat Numero uno auf dem Ernährungsplan sind ohnehin jene Pillen, die ein Funktionieren im Alltag abseits der reinen Selbstzerfleischung sicherstellen. Philipp Hanich alias Bruch mag auf seinem dritten Album, "The Lottery", mit leidenschaftlichen, sinnlichen und, im Falle von "Heart And Soul" im Mann-Frau-Dialog mit Anna Pü, hübsch sexuellen Zwischenspielen zwar in einem Punkt gegen André Heller ("Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo") argumentieren. Allerdings ist es bei allen Gastauftritten von Schurken und Biestern in den Songtexten zumindest in Sachen Zweifel, Angst und Seelenpein noch immer der eigene Verstand, in dem tatsächlich die Dämonen wohnen.

Bruch begegnet diesem Setting in der direkten Konfrontation, die zur Überwindung führt: Aufgeben gilt nicht! Entsprechend wird hier ein furioser Fiebertraum zwischen atemlosen Beats, aufgeriebenen Surfgitarren und forschen Synthiebässen nach Exorzismen mit Schaum vor dem Mund gerne auch mit jenem angenehmen Knödelbariton versehen, der bei "To My Sanity" auch den im Ton zärtlichen Ausreißer des Albums bestimmt.

Überhaupt ist es eine Freude mitanzuhören, wie Bruch die 13 auf den Punkt geschriebenen, produzierten und arrangierten, stilistisch aber mannigfaltig interessierten Songs zusammenhält. Immerhin setzt es neben Einflüssen aus Post-Punk, (Dark) Wave, Electrobilly und Rock ‚n‘ Roll Noir mit dem Titelsong eine der besten Nummern, die die Editors noch nicht geschrieben haben, während es für das begnadet in seinen Sog ziehende "Dancing On My Grave" (Suicide in Reinkultur!) die Alan-Vega-Gedenk-Medaille geben müsste.

Gegen Ende der 39 Spielminuten ist es mit "Philipp Said" ein weiterer lichtscheuer Pop-Moment, bei dem sehr viel Schönheit aus Angst erwächst. Schatten tanzen, Chöre singen: "It’s just an-
other one of those days."





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-01 18:20:10
Letzte nderung am 2016-12-01 18:35:22



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