• vom 17.04.2017, 11:30 Uhr

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Pop-CD

Musikalische Emanzipation




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Von Andreas Wirthensohn

  • Nur wenig Widerständiges in allzu reibungsloser Glätte: Neue Songs von Karen Elson.



Etwas überspitzt könnte man sagen: Diese Frau ist der lebende Beweis dafür, dass Musik (und nicht der schnöde Fußball) noch immer die schönste Nebensache der Welt ist. Im Hauptberuf jedenfalls ist die gebürtige Britin Karen Elson ein sehr gefragtes Model, dazu zweifache Mutter, und die Ehe mit Jack White war vermutlich auch nicht ganz unanstrengend. Seit über zehn Jahren frönt sie nebenher ihrem musikalischen Hobby, unter anderem als Mitbegründerin der New Yorker Cabaret-Truppe The Citizens Band und als gelegentliche Partnerin in Sangesduetten.

Information

Karen Elson

Double Roses

(1965 Records)

2010 erschien ihr Solo-Debüt "The Ghost Who Walks", das noch ganz im leicht morbiden White’schen Countryblues verhaftet war (der Gatte hatte es schließlich auch produziert). Nun, sieben Jahre später und nach vollzogener Ehescheidung, hat sich Karen Elson auch musikalisch emanzipiert. "Double Roses", das seinen Titel einem Gedicht von Sam Shepard verdankt, huldigt dem legendären Sound des kalifornischen Laurel Canyon, für den Namen wie Joni Mitchell oder Carole King stehen. Das lag vermutlich zu einem Gutteil am Produzenten Jonathan Wilson (der auch die neue Scheibe von Father John Misty verantwortet hat).

Doch wirklich überzeugen können nur wenige der zehn Songs. Trotz renommierter Mitstreiter wie (neben ebenjenem Father John Misty) Laura Marling, Pat Sansone (Wilco) oder Pat Carney von den Black Keys wirkt das Ganze zumeist auf aufdringliche Weise gefällig und überinstrumentiert: Streicher breit und satt, wohlige Chöre, dazu noch eine seltsame Vorliebe für Harfen- und Flötenklänge (ganz schlimm im Opener "Wonderblind", der jeder Putumayo-Scheibe zur Ehre gereichte).

Nur ganz selten, wie bei "Why Am I Waiting?" oder "Raven", schleicht sich etwas Widerständiges in die allzu reibungslose Glätte dieses Albums.

Das ist schade, denn Elsons Stimme wäre sehr wohl in der Lage, die Abgründe dunkler Seelenzustände und verflossener Liebschaften, von denen sie singt, auszuloten. Auf diesem Album aber wirkt sie wie ein in Vanillesoße ersäufter Apfelstrudel.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-13 17:06:05
Letzte ─nderung am 2017-04-13 17:51:41



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