• vom 20.05.2017, 13:30 Uhr

CDs


Pop-CD

Chronisten des Leidens




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heimo Mürzl

  • "In Spades": Bewährtes von den Afghan Whigs.



Die 1986 gegründeten Afghan Whigs veröffentlichen mit "In Spades" ihr achtes Album. Das Nachfolgewerk ihres 2014 nach sechzehn Jahren Pause erschienenen Comebacks "Do To The Beast" belegt ein weiteres Mal die originäre Größe dieser US-Band. Greg Dulli, der charismatische Frontmann und seine Mitstreiter überzeugen bis heute mit ihrem typischen Sound. Die unverwechselbare musikalische Liaison aus Alternative Rock, sehr viel Soul und einer Prise Blues hat mittlerweile schon länger Bestand als der Großteil der in den letzten drei Jahrzehnten geschlossenen Ehen.

Information

The Afghan Whigs

In Spades

(Sub Pop/Trost)

Live am 4. August im Wiener WUK.

Des Lebens Versprechungen und Enttäuschungen stehen im Mittelpunkt von "In Spades", und Greg Dulli lässt seinem Gesang ein Pathos angedeihen, das so manchem Prediger gut anstehen würde. Dulli greint, schmachtet, fleht, wispert und schreit, dass es eine Freude ist, schafft den Balanceakt zwischen exaltiertem Manierismus und intensiver Selbstentäußerung mit Eleganz und Grandezza und haucht seiner Musik auf diese Art "Realness" ein.

Als ausgewiesener Chronist des Leidens kennt er die Schattenseiten des Daseins wie kaum ein Zweiter. Liebe, Sex, Sucht und Tod bilden das Zentrum seiner Songs - sein Antrieb ist und bleibt aber die (noch verbliebene) Hoffnung. Seine Anfälligkeit für Theatralik gesteht Dulli gerne ein, nicht umsonst gilt er als Meister im Spiel auf der Gefühlsskala. "In Spades" überzeugt mit einer Mischung aus eingängigen Melodien, markanten Hooklines und wuchtigen Riffs. Damit führen die Afghan Whigs vor, wie man Rock und Soul ebenso vermählt wie Leiden und Schönheit.

Für die Produktion ließ Dulli alles auffahren, was man für die große musikalische Geste braucht: Streicher, Bläser, Klavier und einen Chor. Im Zentrum bleiben aber die zwischen Sanftheit und Bedrohlichkeit changierende Stimme des Chefs und der melodramatisch anschwellende Sound seiner Band. Mit Songs wie "Arabian Heights", "Demon In Profile" oder "Oriole" erteilen die Afghan Whigs eine Lektion darin, wie man solche Melodramatik gut genießbar macht.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-18 17:03:10
Letzte ─nderung am 2017-05-18 17:24:52



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Lügen haben lange Nasen
  2. Don, der Gynäkologe
  3. Frühling mitten im Herbst
  4. Beyonce ist höchstbezahlte Musikerin 2017
  5. Auf Worte folgen Taten
Meistkommentiert
  1. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  2. Gipfelanalysen
  3. Zwischen Schönklang und Rebellion
  4. Don, der Gynäkologe

Werbung



CD Klassik

CD

Benjamin Appl: Heimat. Sony Classical, 1 CD, ca. 14 Euro. (os) Wer in die Vorarlberger Lied-Mekkas reist, konnte schon Bekanntschaft mit Benjamin Appl schließen. Sonst ist der junge... weiter




CD-Kritik

Wiener Philharmoniker: 175th Anniversary Edition

Wr. Philharmoniker: 175th Anniversary Edition. DG, 44 CD, 1 DVD, ca. 149 Euro. (os) Zum 170. Geburtstag gab es eine Box mit ausschließlich Symphonien aus dem Aufnahmefundus der Deutschen Grammophon... weiter





Pop-CDs

9 / A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z



Werbung


Werbung