• vom 20.08.2017, 15:00 Uhr

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Pop-CD

Allgegenwärtige Endlichkeit




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Von Andreas Walker

  • Ghostpoet und sein ausgeklügeltes neues Album "Dark Days + Canapés".



Wie die Zeichen der Zeit deuten? Bei Ghostpoet aka Obaro Ejimiwe ist es vor allem das Scheitern ideeller Vorstellungen an einer desillusionierenden Wirklichkeit, das sein Werk kennzeichnet. Dafür wurde der in Nigeria geborene Brite bereits zweimal für den renommierten Mercury-Preis nominiert: Einmal für sein gespenstisches Debüt "Peanut Butter Blues & Melancholy Jam" (2011) und für das zugänglichere "Shedding Skin" (2015).

Information

Ghostpoet

Dark Days + Canapés

(PIAS/Rough Trade)

Es ist gerade die Verbindung von Hip-Hop, Melancholie und einer gehörigen Portion Düsternis, die das neue Album dominiert und die entfernt an Tricky erinnert - ohne dessen Zorn. Die pessimistische Gegenwartsbeschreibung wird im Song "Karoshi", dem japanischen Ausdruck für "Tod durch Überarbeitung", besonders deutlich: "Stockpile food / Panic button glued in place / And we’re . . . / Fighting for what?" In einer Welt, in der alles im Überfluss vorhanden ist und technische Applikationen eine anstrengungslose Befriedigung unserer Bedürfnisse versprechen, wird der Mensch in einen Idioten ohne Ziel transformiert: Tod per Knopfdruck.

Die Endlichkeit ist auf dem Album allgegenwärtig. Sei es im lebenbejahenden "Live>Leave", das die eigene Sterblichkeit thematisiert, oder im die aktuelle Flüchtlingsproblematik aufgreifenden "Immigrant Boogie", das die Zufälligkeit und Fragilität individueller menschlicher Existenz unterstreicht.

Von der Struktur her ist Ghostpoet eher mit einem klassischen Bluesmusiker vergleichbar, bei dem sich die stilistischen Arrangements zwar wie ein roter Faden durch die Songs ziehen, deren Instrumentierungsspektrum sich jedoch nach der Themenwahl richtet. So ließ sich Ejimiwe etwa vom Spätwerk Talk Talks ("Blind As A Bat . . .") inspirieren oder verwendete das manische Gelächter eines Gospelchors ("Freakshow"). Nicht zuletzt ist es wohl auch dem Produzenten, Gitarristen und Komponisten Leo Abrahams (Brian Eno/David Byrne) zu verdanken, dass "Dark Days + Canapés" ein äußerst ausgeklügeltes und durchdachtes Album geworden ist, dessen melodiöse Raffinesse über die dunklen Tage fast hinwegtäuschen könnte.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-17 17:49:05
Letzte nderung am 2017-08-17 18:36:02



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