• vom 20.07.2007, 15:09 Uhr

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Update: 20.01.2012, 16:26 Uhr

Chanson

Neundlinger und die geringfügig Beschäftigten: Reflexionen




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Von Gerald Jatzek

  • Von Träumen und Ich-AGs
  • Beatrix Neundlinger singt Lieder fürs Leben heute.

Deutsche Texte über Liebe zwischen Gefühl und Serotonin, die Freiheit des Fisches im Aquarium - was sind das für Themen, was ist das für ein Stil? Der Neuaufguss der NDW blödelt wie gehabt, die Schlagerfuzzis und Alpenmusikanten meiden jede Gehirnaktivität, und die Deutschrapper stolpern über ihre Reime. - Alles falsch, hier haben wir es mit der raren Spezies des deutschsprachigen Chansons zu tun.

Information

Neundlinger und die geringfügig Beschäftigten: Reflexionen (Extraplatte)


Für das Projekt haben zwei erfolgreiche Teams zusammen gefunden. Der Romanautor und Lyriker Heinz Rudolf Unger schrieb für Beatrix Neundlinger schon, als sie noch nicht die glockenhelle Solostimme der "Schmetterlinge" war. Harmonischer Folkgesang zu skurrilen Texten waren das Markenzeichen der "Milestones". Die begleitenden "geringfügig Beschäftigten" stammen dagegen samt und sonders von den "Liederlich Spielleut", die viele Jahre lang auf europäischen Festivals mit ihrer Mischung aus improvisierter Folkmusik und kabarettistischen Einlagen reüssierten.

Gemeinsam beschreiben sie den Gegensatz zwischen verlorenen Träumen in Wien ("Bleamaln aus Plastik") und Bukarest ("Gogo-Girl") und der gemachten, öffentlichen Meinung ("Spindoktor"). Eine gewisse Melancholie ist dem Genre zu eigen, und das kommt auch in den Kompositionen Peter Marnuls zum Ausdruck, der dem wienerischen Lebensrückblick einen verschlapften Dreivierteltakt verpasst.

Das Zusammenspiel von Text und Musik gehört zu den Stärken dieser Produktion. "Hast du Mäuse, dann versteck sie / unter der Matratze, weil / hast du Geld, macht dich das sexy, / hast du keins, macht dich das geil" , heißt es in Anspielung auf den bekannten Slogan. Dazu mischen sich gitarrengeschrummter Blues, eine Fiedel, die den Ratschlag "go west" zitiert und eine Bluesharp, die bereits das Schlusswort des Liedes vorwegnimmt: "Pech!"

Gestrichen werden die kurzen Saiten bewährterweise von Adula Ibn Quadr, an den Bässen ist Alfred Stütz tätig, Peter Marnul zupft und quetscht, und Peter Rosmanith sorgt mit seiner Sammlung an Perkussionsinstrumenten für Rhythmen und zusätzliche Klangfarben. Neundlinger selbst ist natürlich auch instrumental an der Querflöte und dem Saxophon tätig. Sie bewährt sich damit als musikalische Ich-AG, die genau diesen Begriff gekonnt ironisiert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2007-07-20 15:09:40
Letzte Änderung am 2012-01-20 16:26:34




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