
(dawa) Wieder einmal hat Pierre Boulez zugeschlagen. Und wie. Mit dem Gustav Mahler Jugendorchester ist seit Gründung des Ausnahmeensembles vor mehr als 25 Jahren durch Claudio Abbado Nachwuchsförderung auf höchstem Niveau möglich. Aus der paneuropäischen Formation gingen nicht wenige Wiener, Berliner, Clevelander und andere große Orchestermusiker hervor.
Mit Richard Wagner und Arnold Schönberg begibt sich Pierre Boulez mit den wissbegierigen Jungkünstlern auf die Suche nach dem "Beginn der chromatischen Ära unserer Zeit" (Boulez). Verhalten und klanglich sehr bedrückend, reif, begegnet einem Wagners revolutionäres Tristan-Vor-
spiel.
Volle Wucht legen die"Mahlers" in Schönbergs symphonische Dichtung "Pelleas und Melisande" op.5. Manche Passagen wurden noch sehr akademisch ausgeführt - wobei plakative Gefühlsausbrüche aufgrund der Themenvorgabe natürlich hinten an gestellt sind. Die große Linie ist hier jedenfalls nachvollziehbar, und Maeterlincks Idee vom psychisch aufrührenden Liebesdrama wird bestens wiedergegeben. Maestro Boulez führt die Jungen zu wahren Höchstleistungen.