(dawa) Einfach fesselnd. Anders lässt sich Vladimir Ashkenazys Zugang zu Jugendwerken von Sergei Rachmaninow nicht beschreiben. Mit den Variationen über ein Thema von Chopin und der ersten Klaviersonate widmet sich der russische Pianist zwei seltener im Konzertsaal vertretenen Schlüsselwerken des letzten Romantikers der Klavierwelt. Sie entstanden zwischen 1902 und 1907. Nach dem Desaster rund um die Uraufführung seiner 1. Symphonie fand der komponierende Virtuose mit Werken wie diesen zu seiner Identität.

Die Variationen auf das Vorbild entstanden nicht zufällig, denn Rachmaninow galt als führender Chopin-Interpret seiner Zeit. Die vorliegende Aufnahme atmet genau diesen Duft der Freiheit: Ashkenazy gibt den großzügigen Aufbau der 22 Variationen Opus 22 im Stil einer großen, sonatenhaften Erzählung perfekt wider. Und ständig kehrt das sentimentale Vorbild des c-Moll-Préludes wieder, nicht ohne Hinweise auf eigene Motive des Russen.
Großzügig gelingt auch die epochale Opus-28-Sonate. Die schier unerschöpfliche Reihe aus virtuosen Einfällen steht dem Pianisten bestens. Empfehlenswert.