Bewundernswert, dass eine Stimme so lange so weit oben singen kann. Mojca Erdmann verfügt tatsächlich über einen intensiven Diskant, der ihren Musikvereinsabend mit Liedern von Franz Schubert und Richard Strauss in ätherische Höhen erhob. Des einen Freud ist des anderen Leid: Biedermeiers "Seligkeit" D433 begeisterte in der jugendlichen, charmanten Interpretation ebenso wie das spätromantische "Sträußlein" op.68/2 im Brahmssaal. An vielen Stellen lebte sogar eine immer fröhliche Operettensoubrette auf. Schuberts "Junge Nonne" D 828 allerdings hatte fern jeder Erdnähe genauso wenig Intensität zu bieten wie Strauss "Morgen" op.27/4.
Glasklar durch die Literatur
Unbedingt erwähnenswert ist die Wortdeutlichkeit der Sopranistin, die sich mit ihrer glasklaren Intonation durch deutschsprachige Weltliteratur von Matthias Claudius bis Johann Wolfgang von Goethe, von Heinrich Heine bis Felix Dahn bewegte.
Dramatischer Fixpunkt, um nicht zu sagen Anker dieses Abends war der souveräne Begleiter am Klavier Gerold Huber. Mit seinem handfesten, gegenwärtigen Anschlag holte er die deutsche Sängerin in Schuberts "Gretchen am Spinnrade" D 118 ebenso wie in "Allerseelen" op.10/8 zurück auf den Boden des Wesens Lied. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweise an den Typus verfolgten die beiden grundverschiedenen Tonschöpfer bekanntlich einen gemeinsamen Zweck: Sie schufen Dramolette, die den Zuhörer in wenigen Minuten in eine eigene Welt entführen. Ein Unterfangen, das Erdmann teilweise gelungen umsetzte.
Konzert
Mojca Erdmann (Sopran)
Wiener Musikverein
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