
Nein, sie erwiderte die liebesdürstenden Blicke nicht. Dabei hatte Violeta Urmana in ihrer melancholisch angelegten Partie der Trove kurz zuvor noch König Waldemar ihrer Zuneigung versichert. Vielleicht war die stimmgewaltige Sopranistin mental schon um einen Schritt weiter. Wirkte sie kurz zuvor noch wie ein Fels in der Brandung, würde ihre Figur bald das Zeitliche segnen - durch die Hand der Gattin ihres Liebhabers, der von Nikolai Schukoff mit dramatischen Gesten interpretiert wurde.
Der österreichische Tenor war mit der anspruchsvollen Partie in Schönbergs "Gurre-Liedern" hörbar gefordert. Sein geschmeidiges Timbre tat sich trotz der sensiblen Führung durch Zubin Mehta mitunter schwer, gegen die mächtigen Wogen anzukommen, die nicht weniger als 150 Wiener Philharmoniker hinter ihm in den Großen Musikvereinssaal preschen ließen.
Bombastisches Finale
Das gibt es nicht alle Tage. Bedingt durch die enorme Anzahl von Mitwirkenden wird dem Schlussstein von Schönbergs spätromantischer Phase im regulären Konzertbetrieb nur selten jene Aufmerksamkeit zuteil, die er nun bei zwei Festwochenkonzerten erhielt. Bemerkenswert besetzt waren auch die weiteren Solistenpartien, wiewohl Daniela Denschlag in der anspruchsvollen Rolle der Waldtaube an Grenzen stieß. Alexander Tsymbalyuk tat sich in der Basspartie des Bauern leichter, Gerhard Siegel war als toter Klaus Narr ebenso ein Genuss. Als Sprecher weckte Thomas Quasthoff rhythmisch die Blumen, bevor ein Konvolut dreier namhafter Wiener Chorkörper die Sonne grüßte. Ein bombastisches Finale, das seine Wirkung nicht verfehlte: Standing Ovations.
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