• vom 09.07.2012, 15:22 Uhr

Klassik/Oper

Update: 09.07.2012, 21:41 Uhr

Oper Klosterneuburg: "Don Pasquale" im 1950er-Ambiente

Das volle Glück




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerhard Kramer

Humor-Feuerwerk: Chiara Skerath (Norina) und Marc-Olivier Oetterli (Don Pasquale). - © Lukas Beck

Humor-Feuerwerk: Chiara Skerath (Norina) und Marc-Olivier Oetterli (Don Pasquale). © Lukas Beck

Es müssen nicht immer gewaltige Arenen sein. Auch der vergleichsweise intime Kaiserhof des Stiftes Klosterneuburg kann das geeignete Ambiente für stimmungs- und gehaltvolle Produktionen unter freiem Himmel bieten.


Mit Gaetano Donizettis "Don Pasquale" kann Intendant Michael Garschall heuer auf eine seiner besten Aufführungen verweisen. Das beginnt schon mit der launigen Inszenierung von Andy Hallwaxx. Gerne lässt man sich gefallen, dass er die Handlung in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts verlegt hat, auch wenn dabei gewisse Anachronismen nicht zu vermeiden sind. Geradezu ideal beschwören die Kostüme von Franz Blumauer die nostalgische Atmosphäre der Vespa-Zeit herauf. Selten hat man im Stiftshof ein Bühnenbild gesehen, das den Raum so großzügig ausfüllt wie Hans Kudlichs Hotelhalle.

Diesen Rahmen nützt der Regisseur, indem er aus den scheinbar regellos hereintrudelnden Hotelgästen überraschend einen Chor formt. Darüber hinaus sprüht seine Arbeit von geistreichen, niemals peinlichen Gags, oftmals in Übereinstimmung mit der Musik. Und überaus prägnant sind auch die Protagonisten geführt. Vielleicht könnte man sich vorstellen, dass der tragikomische Titelheld minder burlesk angelegt wäre; dem überaus amüsanten Gesamteindruck tut dies keinen Abbruch.

Ausgewählte Besetzung
Der wesentlichste Garant für den durchschlagenden Erfolg des Abends ist jedoch die überaus sorgfältige Wahl der Besetzung. Da ist Marc-Olivier Oetterli ein Don Pasquale von perfekter buffonesker Suada. Die entzückende Norina von Chiara Skerath verbindet Koloraturgewandtheit mit warmer Kantabilität, Arthur Espiritu (Ernesto) gefällt mit frischem, höhensicherem Tenor, Günter Haumer (Malatesta) mit charaktervollem, gut geführtem Bariton. Die Basis für all das gewährleistet das gekonnte Spiel der Sinfonietta Baden. Christoph Campestrini hat die jungen Musiker zu genauem, geschmeidig phrasiertem Spiel mit sicher gesetzten Pointen geführt, das alle Facetten der Partitur ausleuchtete. Wohlstudiert zeigte sich der Chor der Oper Klosterneuburg (Thomas Boettcher).

Und um das Glück voll zu machen, zeigte sich auch der Wettergott gnädig. Zwischen zwei Gewittern bescherte er einen lauen Sommerabend, gerade recht für drei heitere Stunden.

Im nächsten Jahr wird es mit Massenets "Manon Lescaut" wieder ernsthafter zugehen.

Oper

Don Pasquale

Von Gaetano Donizetti

Christoph Campestrini (Dir.)

Oper Klosterneuburg

Wh.: 11., 13., 18., 20., 21. Juli



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-07-09 15:29:11
Letzte Änderung am 2012-07-09 21:41:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Diese Frau macht kopflos!
  2. vergleiche
  3. Ritter, Drachen, Thronies
  4. Morbus Austriacus, unheilbar
  5. Alt, aber sicher nicht blöd
Meistkommentiert
  1. Deutscher Karikaturenpreis für Erdogan-Zeichnung
  2. Verhandler könnten ORF-Gebühr kappen
  3. Hunderte bei #metoo-Protestmarsch
  4. Gipfelanalysen
  5. "Künstler haben immer recht"

Werbung




Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale. Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale.

Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert. Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen.


Werbung


Werbung