
Mittlerweile stehen die Tiroler Festspiele im 15. Jahr, gerade wird ein sogenanntes Winterhaus in unmittelbarer Nähe des berühmten Passionsspielhauses gebaut - Letzteres besitzt keine Heizung oder Klimaanlage und steht somit nur im Sommer zur Verfügung. Ein (dringend benötigtes) Parkhaus mit Dachbegrünung entsteht, ab Ende Dezember gibt es dann ein neues Festival mit Belcanto, Bach, Verdi, Mozart.
Das neue Haus (Architektenteam Delugan Meissl) besitzt nicht nur den weltgrößten Orchestergraben (160 Quadratmeter!) und eine riesige Bühne (450 Quadratmeter), sondern auch viel Technik. Es wird sich zeigen, ob Gustav Kuhn und seine Mannschaft die neuen Möglichkeiten zu nutzen wissen. Der Erler Reiz lag bisher ja wesentlich in der Diskrepanz von gewaltigen (Wagner-)Opern und notgedrungen sparsamen Inszenierungen. Beim "Ring" klappte das wunderbar, auch beim "Parsifal" und (mit geringen Abstrichen) bei "Meistersingern", "Tannhäuser" und "Fliegendem Holländer". Ein Ausrutscher war der vor ein paar Jahren erstmals gezeigte "Tristan", der auch 2012 auf dem Spielplan steht. Mit "Lohengrin" schließt sich heuer nun der Wagner-Zyklus, und leider gerät hier das ungemein charmante Erler Gesamtkunstwerksunternehmen ein wenig an die Grenze. Das liegt nicht an den Musikern, wie gewohnt überzeugt das von Gustav Kuhn klangschön und formbewusst geleitete Festspielorchester. Die von Marco Medved einstudierte Chorakademie (unter Mitwirkung der Capella Minsk) macht ihre Sache auch weitgehend gut.
Zu schwach besetzt
Doch leider sind zwei wesentliche Partien dieser "Lohengrin"-Premiere zu schwach besetzt. Mona Somm klingt als sinistre Ortrud wirklich grenzwertig, Andrea Silvestrelli singt König Heinrich auf den Trümmern seines ehemals profunden Basses. Auf der Habenseite steht das hohe Paar: Ales Brisceins Lohengrin, mit hellem, klaren Tenor (der ein bisschen an Klaus Florian Vogt erinnert) und Susanne Geb als lyrisch zarte Elsa. Exzellent auch Michael Kupfers Heerrufer und Oskar Hillebrandts Gestaltung des Telramund. Claudia Czyz gibt den Schwan, ja richtig, das immer schwierig zu inszenierende Tier erscheint hier als (schwarz gekleidete) Tänzerin. Sie hat später ein blondes Kind im Schlepptau, das allerdings nicht neuer Herrscher von Brabant wird, sondern der Schwan selbst zieht sich was hübsches Goldenes an und übernimmt (vielleicht?) die Macht. Ein unklares Ende. Vorher bewegen sich immer wieder langsam ein paar schwarze Kugeln am Bühnenhimmel, die Protagonisten agieren ähnlich statisch-statuarisch und tragen bunte Ethno-Kleidung.
Einige Dutzend Erler Kinder mimen recht hübsch einen Haufen Hochzeitspaare. Das Problem dieser Premiere liegt im zu oratorischen Auftreten der Chöre, so wird der Abend streckenweise zu einem wirklichen Passionsspiel - man braucht viel Ausdauer und gutes Sitzfleisch.
Oper
Lohengrin
Tiroler Festspiele Erl
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