• vom 21.07.2012, 17:13 Uhr

Klassik/Oper

Update: 22.07.2012, 14:16 Uhr
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Bayreuth-Skandal wegen Nazi-Tattoos

Hakenkreuz auf der Sängerbrust



  • Der Bass-Bariton Evgeny Nikitin musste Festspiele verlassen.

Nikitin bereut seine Jugendsünde, aber Bayreuth vergibt ihm nicht.

Nikitin bereut seine Jugendsünde, aber Bayreuth vergibt ihm nicht.APAweb / dpa / Claudia Levetzow Nikitin bereut seine Jugendsünde, aber Bayreuth vergibt ihm nicht.APAweb / dpa / Claudia Levetzow

Bayreuth. Eine Jugendsünde des russischen "Holländer"-Sängers Evgeny Nikitin beschert den Bayreuther Festspielen einen handfesten Skandal. In seiner Jugend hat sich Nikitin ein Hakenkreuz auf die Brust tätowieren lassen. Alte Filmaufnahmen in der ZDF-Kultursendung "Aspekte" am Freitagabend haben es knapp vor der Premiere am 25. Juli freigelegt. Der Sänger sagte daraufhin seinen Auftritt ab. "Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen", teilte der Russe am Samstag mit.

Der südkoreanische Bassbariton Samuel Youn wird für Nikitin kurzfristig einspringen. Mit der "Holländer"-Neuinszenierung werden die Festspiele am Mittwoch (25. Juli) eröffnet.

Aktuelle Bilder Nikitins, die in den vergangenen Tagen in den Medien veröffentlicht wurden, zeigen, dass sich an jener Stelle am Oberkörper inzwischen ein sehr farbintensives Tattoo befindet. Dennoch blieb die Festspielleitung bei ihrer rigorosen Haltung. Festspielsprecher Peter Emmerich: "Dazu muss man Haltung beziehen. Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen."

Emmerich betonte, die Festspielleitung habe bei der Besetzung der "Holländer"-Partie zunächst nicht auf die Tätowierungen geachtet. Denn: "Es wird eine Stimme engagiert, ein Sänger." Hautfarbe oder Nationalität spielten ja auch keine Rolle. Und genauso werde normalerweise auch nicht überprüft, "was jemand auf der Haut trägt". Hier aber liege eine andere Situation vor, betonte Emmerich.

Die Verzahnung der Festspiele mit den Größen der Nazi-Diktatur in Deutschland markiert eines der dunkelsten Kapitel der Musikgeschichte in Deutschland: Adolf Hitler war regelmäßiger Festspielgast und ließ sich in Bayreuth feiern. Nur mühevoll gelang in den 1950er Jahren ein Neustart der Festspiele. Richard Wagners Musik ist bis heute in Israel unerwünscht. Der Komponist (1813-1883) äußerte sich bei vielen Gelegenheiten judenfeindlich.

Am Samstagvormittag hatte sich die Festspielleitung mit Nikitin getroffen. Danach veröffentlichte der Sänger seine Erklärung. Am Nachmittag war er nach Emmerichs Worten bereits aus Bayreuth abgereist.

Nikitin schrieb: "Ich habe mir die Tattoos in meiner Jugend stechen lassen. Es war ein großer Fehler in meinem Leben und ich wünsche mir, dass ich es niemals getan hätte." Der Russe hatte in mehreren Interviews zuvor erklärt, früher in einer Metal-Band gespielt zu haben. Die ZDF-Filmaufnahmen stammen aus dieser Zeit und zeigen Nikitin mit freiem Oberkörper und kahlrasiertem Kopf am Schlagzeug.




Schlagwörter

Tattoo, Nazi-Symbole, Nikitin, Bayreuth

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-21 17:14:18
Letzte Änderung am 2012-07-22 14:16:12


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