
So gern Eltern ihren Nachwuchs mit der "Zauberflöte" beglücken: Ein Kinderspiel ist diese Oper über den Kampf zwischen Vernunftpriestern und der Königin der Nacht nicht - jedenfalls nicht für Regisseure. Die haben ihre Not mit Mozarts Zwitter aus Zauberspektakel und Aufklärungsgedanken, wie auch die letzten Salzburg-Jahrgänge zeigten.
Zum Festspielstart am Freitag blies man erneut ins Wunderrohr. Wobei das Singuläre schon dadurch gesichert war, dass sich Nikolaus Harnoncourt der Oper originalklingend mit dem Concentus Musicus annimmt. Der große Alte-Musik-Neudenker tuts mit gebührlicher Eigenwilligkeit, vor allem aber: langsam. Es entsteht der Eindruck, hier wolle ein gelassener Delikatessengenießer kein Detail jener Partitur missen, die seine Musiker mit fast demütiger Dezenz spielen. Das beschert einen langen Abend, aber auch Bestrickendes: Da ist Julia Kleiter eine Pamina von süßer Prägnanz, Mandy Fredrich eine Königin der Durchschlagskraft, Markus Werba ein kerniger Schmähbruder Papageno; und Tamino findet in Bernard Richter eine schmelzkundig Stimme. Und was ist nun mit der Regie? Jens-Daniel Herzogs Arbeit hinterlässt aufs Erste den Eindruck, dass sie sich (abgesehen von einem Schlussgag) eher konventionell durch die Handlung hantelt, als dieser eine neue Erzählperspektive zu entreißen. Dies geschieht in der Felsenreitschule aber mit einer Fülle witziger bis ironischer Details, die auch Sarastros hehre Aufklärer-Sekte verhöhnen: Diese wird zu einer fahlen Weißkittelgemeinde charakterblasser Ärzte umgedeutet. Viel Beifall letztlich für die Sänger und Harnoncourt.
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