Wien. (irr) Nein, das Ondit sei falsch: Wenn die Wiener Linien wieder am Karlsplatz wühlen, denke der Musikverein nicht daran, die Gelegenheit für eine weitere Expansion beim Schopf zu packen, sagt Thomas Angyan mit einem Lächeln. Der Intendant hätte dann ja auch ein Namensproblem. Wie sollte der Zuwachs heißen - "noch neuere Säle"? Im Souterrain des prestigeträchtigen Klassikveranstalters prangen ja schon seit 2004 die "Vier Neuen Säle".
Die Befürchtung, dass diese Kellerräume auch unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben könnten, hat sich als falsch erwiesen. Zwar dauert es, bis etwas ins Bewusstsein dringt, sagt Angyan. Doch die Säle kamen an. In der vergangenen Saison kletterte die Auslastung von 75 auf 79 Prozent - Werte, auf die mancher internationale Konkurrent auch im großen Saal stolz sein könnte.
Dementsprechend bleibt der Musikverein dem bisherigen Keller-Konzept treu: Auch in dieser Saison rezitieren beliebte Schauspieler in musikalischer Umrahmung (unter anderem Julia Stemberger, Cornelius Obonya); der Jazzzyklus findet mit Künstlern wie Harri Stojka und Susanna Ridlers Projekt koe:r Fortsetzung. Vor allem aber öffnet sich hier der Jugend viel Raum. "Die Dichte, mit der wir junge Künstler fördern, kann kaum übertroffen werden, jedenfalls in Wien", sagt Angyan und verweist auf ein pralles Abo-Aufgebot mit jungen Klassik-Sängern, Pianisten sowie Streichquartetten.
"Alles randvoll"
Jugend nimmt hier auch im Publikum Platz. Mehr als 50 Prozent der Souterrain-Besucher strömten in der vorigen Saison zu Kinderkonzerten, für die aktuelle Spielzeit wurde dieses Programm noch leicht aufgestockt. Wobei ein größeres Angebot kaum mehr möglich ist. Inklusive Proben sah die vorige Spielzeit mehr als 1300 Veranstaltungen im Keller. Angyan: "Alles randvoll. Wir sind an der Grenze angelangt."
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