Auch wenn die Geschichte über Parolen wie "Liquidation der gesellschaftlichen Künste" oder "unaufhaltsamer Verfall der bestehenden Gesellschaftsschichten" hinweggegangen ist, die Brecht-Weill Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" hat mit der Kritik an einer geldorientierten Spaßgesellschaft ungebrochene Aktualität.
In der Staatsoperninszenierung vom Jänner dieses Jahres bevölkern jetzt einige neue Bewohner den Ort des hemmungslosen Vergnügens: Wolfgang Bankl als wuchtiger Dreifaltigkeitsmoses, Stephanie Houtzeel als Jenny Hill und Herbert Lipperts textdeutlicher, ausdrucksstarker Jim Mahoney. Aus dem weiteren Ensemble ragt neben dem verlässlichen Herwig Pecoraro (Fatty) der Sparbüchsenbill von Clemens Unterreiner mit charaktervollem Bariton und präzisem Spiel heraus.
Sonore Glockentöne
Im Zentrum des Abends jedoch steht abermals Elisabeth Kulman (Leocadia Begbick) mit den sonoren Glockentönen ihres prachtvollen Altregisters. Ingo Metzmacher leuchtet wieder alle Facetten der vielschichtigen Partitur aus. Das Orchester folgt ihm mit aller rhythmischen Schärfe und so stilsicher, als hätte es nie etwas anderes gespielt. Und tadellos funktioniert die Regie von Jérôme Deschamps im Bühnenbild von Olivia Fercioni, den grellen Kostümen von Vanessa Sannino.
Begeisterte Aufnahme eines (allerdings etwas zu langen) Abends.
Oper
Aufstieg und Fall
der Stadt Mahagonny
Von Kurt Weill
Ingo Metzmacher (Dirigent)
Jérôme Deschamps (Regie)
Mit Elisabeth Kulman u.a.
Staatsoper, Wh. 27., 30. Sept.
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