Wo einst Klaviersonaten dahinperlten, liegt Schutt. Von der ehemaligen Klavierfabrik der Firma Bösendorfer, die noch im Frühling in voller Pracht in der Graf-Starhemberg-Gasse 14 stand, ist nichts als ein paar Ziegel übrig. Vor der Häuserlücke warnt ein Schild: "Betreten der Baustelle verboten".
Ein Aufschrei ging durch die Medien, als Anfang Juli bekannt wurde, dass sich die Klavierfabrik im Abriss befindet. 150 Jahre lang waren hier, im vierten Gemeindebezirk, die traditionsreichen Wiener Flügel entworfen, gebaut, poliert, gestimmt und vertrieben worden. Weltberühmte Musiker, wie Lionel Richie oder Andras Schiff, gaben des Abends im Bösendorfer-Konzertsaal ihre Künste zum Besten, andere entlockten den Flügeln tagsüber zur Probe ihr tragendes Timbre. Ein Stück österreichisches Kulturgut war hier zu Hause. Umso mehr erschüttert, dass ein Bauwerk mit dieser Geschichte, das noch dazu die Zierde der Graf-Starhemberg-Gasse war, weggefegt wurde.
Wohnungen mit Tiefgarage
Nachdem das Unternehmen Bösendorfer vor zwei Jahren alle Geschäftssparten in sein Wiener Neustädter Quartier gebündelt hatte, verwaiste das Haus. Im März verkaufte der Eigentümer, die prominente Familie Lauder, das Anwesen der Linzer Real Treuhand, einer Raiffeisen-Tochter. Für die Immobilienentwickler war die historische Architektur kein gewinnbringendes Investment. Den Abriss begründeten sie mit einem Wasserschaden, der irreparable Bodenwellen aufgeworfen habe. Das Bundesdenkmalamt sprach dem Gebäude "keine Denkmalqualität" zu. Auf dem 2711 Quadratmeter großen Areal werden nun 80 Miet- und Eigentumswohnungen mit Tiefgarage gebaut.
Der Abriss wirkt wie eine Draufgabe auf die ohnehin seit Jahren krisengebeutelte Unternehmensgeschichte und lässt für den Umgang mit Kulturgut Schlimmes befürchten. Auf jeden Fall stehen Bösendorfer Veränderungen bevor.
Ignaz Bösendorfer hatte das Unternehmen 1828 in Wien gegründet. Seine Klaviere zeichneten sich durch einen klaren, warmen Klang und eine äußerst hochwertige Verarbeitung aus. Die Flügel hielten selbst dem impulsiven Spiel von Franz Liszt stand. Rasch wurden sie weltbekannt. Nachdem das Unternehmen 1870 das Fabriksgebäude gemietet hatte, wuchs der Ruf der Bösendorfer-Konzertflügel. Seine Bedeutung verlor der Klavierbauer nach 1945, da er zu wenig Instrumente produzieren konnte: US-Konkurrent Steinway eroberte den Weltmarkt.
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