
Wien. (eb) Francis Burt ist, wie erst jetzt bekanntgegeben wurde, am 3. Oktober in Hartberg gestorben. Der am 28. April 1926 in London geborene Komponist, der seit 1956 in Wien lebte, galt als eine der zentralen Gestalten des österreichischen Musiklebens. Prägende Einflüsse waren sein Dienst als Oberleutnant in Nigeria (1946/1947), wo er die Trommelmusik der Ibo-Völker kennenlernte, und das Studium bei Boris Blacher (1951-1954) in Berlin.
Wie viele Schüler Blachers, so ging auch Burt von rhythmischen Gesten aus, die er mit einer avancierten, wenngleich kaum je die Tonarten verlassenden Harmonik kombinierte. Die Oper "Volpone" (1958/1961) nach Ben Johnson und das Ballett "Der Golem" (1959/1963) sind für diese Schaffensperiode charakteristisch.
Mit dem Orchesterliederzyklus "Unter der blanken Hacke des Monds" (1976) nach Peter Huchel beginnt Burt, den rhythmischen Puls zunehmend aufzulösen und aus Stimmgeflechten Klangflächen zu weben. Der Höhepunkt dieser Schaffensphase ist die Kantate "Und Gott der Herr sprach" (1983).
Burt, der an der heutigen Musikuniversität Wien Komposition unterrichtete und dort das Institut für Elektroakustik leitete, war ein skrupulös an seinen Werken feilender Komponist, der zahlreiche seiner Stücke revidierte. Sein letztes Werk war das Oboenkonzert "Blind Visions" (1995).
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