• vom 18.10.2012, 17:24 Uhr

Klassik/Oper

Update: 18.10.2012, 17:35 Uhr
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Die Wiener Kammeroper startet mit einer Rossini-Rarität in eine neue Ära

Die glückreichen Sieben


Von Christoph Irrgeher

  • Ein neues, junges Ensemble macht
  • sich in der Kammeroper ans Werk.

Bewegter Mann aus Übersee: Ben Connor in "La cambiale di matrimonio". - © Armin Bardel

Bewegter Mann aus Übersee: Ben Connor in "La cambiale di matrimonio". © Armin Bardel

Wien.Auch Nahrungsmittel können ein Zankapfel sein. Zumindest unter Kollegen, die einander gern aufziehen. "In Wien kannst du italienische Produkte kaufen", rühmt Gaia den Import aus ihrer Heimat. "In den Niederlanden kriegst du so etwas nicht." "Die haben andere gute Sachen", gibt Ben, der Australier, zu bedenken. "Und was?", stichelt Gaia. - "Käse." - "Kennst du Parmesan?Dasist Käse."

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Jetzt ist das alles natürlich eher Spielerei als todernster Chauvinismus. Und auch wenn die beiden Nachwuchskünstler in Wien mitunter wirklich Heimweh nach Sonne und Wasser haben (die Italienerin lässt zu Demonstrationszwecken gar die blitzblaue Adria auf dem iPhone glitzern), besteht kein Grund zur Sorge. Denn die beiden genießen ihre privilegierte Situation. Gaia Petrone und Ben Connor sind Teil jenes siebenköpfigen jungen Ensembles, das nun zwei Jahre an der Kammeroper singt. Und diese glückreichen Sieben werden auch Nebenrollen im Theater an der Wien spielen. Das Prestige-Opernhaus der Stadt hat die Bühne am Fleischmarkt ja übernommen, mehr als 300 Sängerbewerbungen dafür gesichtet - und dort nun erstmals ein Ensemble.

"Verpflichtung zur Fürsorge"
"München und Zürich haben zwar gute Programme für junge Künstler", sagt der australische Bariton. Dort könne man sicher viel lernen, vom Ruf profitieren. Aber: "Hier haben wir ein eigenes Haus. Wir treten nicht nur öfter auf als andere junge Ensembles, wir singen Hauptrollen." Und: In Sebastian Schwarz, dem künstlerischen Leiter, habe man einen engagierten Mentor. Connor: "Man hört oft, dass Theater früher anders liefen - mit Ensembles, wo die Jüngeren von den Älteren lernten." Mit dem Geldmangel sei vielerorts nicht nur der langfristige Vertrag, sondern auch die "Verpflichtung zur Fürsorge" verschwunden. Am Fleischmarkt sei das nun anders.

In Australien? Dort seien die Arbeitsmöglichkeiten überhaupt eher spärlich gesät. "Dort gibt es die Oper von Sydney und ein gutes Bildungssystem. Aber dazwischen nicht viel. Als junger Sänger kannst du nicht einfach ins Premium-Haus spazieren." Was bleibt? Der Weg nach Europa. Im Fall des 24-Jährigen also ein Umzug in den 20. Wiener Gemeindebezirk, von wo er täglich in die Innenstadt fährt. Wobei es den Australier schon wundert, wenn man das hier einen "langen Weg" nennt.

Etwas verschlungen war der Weg, über den Gaia Petrone zur Oper kam. Die begann ihr Musikleben mit Jazz und Bossa und singt diese Lieder immer noch in süditalienischen Bars im Sommer. Ihren Mezzo bildete sie dann aber doch klassisch aus, vertiefte sich in den Niederlanden (diesbezüglich "ein Traum") in die Alte Musik und räumte in diesem Genre auch schon einen Preis ab. "Für mich ist ein Repertoire bis hin zu Rossini gut. Donizetti, Puccini: Okay, das existiert, ist aber nichts für mich."

"Wo sie aufhört, fange ich an", schmunzelt der Australier. Zwar singt die Italienerin auch Modernes. Der Belcanto des 19. Jahrhunderts ist aber dem lyrischen Bariton vorbehalten.

Die erste Saisonpremiere der Kammeroper, die in der vorigen Saison wegen Geldmangels darniederlag, bietet beiden Stimmen taugliches Terrain: Die Saison startet am Sonntag mit Rossinis Opernerstling, dem Einakter "La cambiale di matrimonio" (Live-Stream über www.sonostream.tv): Der Australier verkörpert einen Herrn aus Übersee, der die Tochter des Geschäftspartners ehelichen soll, aber ein Einsehen mit deren Gefühlen hat und darum eine Art "Hochzeitswechsel" vollzieht.

Kann Rossini, bei aller Spritzigkeit, nicht manchmal langweilen? Die Italienerin feuert (im Scherz?) einen sengenden Blick ab: "Wenn es fad klingt, ist es die Schuld des Sängers", sagt sie. "Du musst dich fordern und fragen: Wie singe ich das?" Und Connor meint, dass Rossinis Koloraturgirlanden dem Sänger, anders als Verdi, mehr Raum zur emotionalen Deutung böte.

Der Italienerin ist Rossini übrigens nicht nur musikalisch teuer. Einen Steinwurf von der Kammeroper entfernt gibt es nämlich noch einen Rossini - in Form einer Pizzeria. Leute aus Süditalien, sagt sie, kochen dort. Und, ja: "Die machen gute Pizza." Nur halt nicht ganz so gut wie zuhaus.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-18 17:29:07
Letzte Änderung am 2012-10-18 17:35:08


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