• vom 06.02.2013, 19:50 Uhr

Klassik/Oper

Update: 06.02.2013, 20:03 Uhr

Premiere

Sadisten im Schlaglicht




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Von Oliver Schneider

  • Zürich feiert den Jahresjubilar Giuseppe Verdi mit einem neuen "Rigoletto"

Im Dienst der Peiniger: Quinn Kelsey (Rigoletto) fixiert ein Opfer (Chloé Chavanon).

Im Dienst der Peiniger: Quinn Kelsey (Rigoletto) fixiert ein Opfer (Chloé Chavanon).© Hans Jörg Michel Im Dienst der Peiniger: Quinn Kelsey (Rigoletto) fixiert ein Opfer (Chloé Chavanon).© Hans Jörg Michel

Giuseppe Verdis "Rigoletto" steht beim Publikum hoch im Kurs. Das rechtfertigt, sich in regelmäßigen Abständen neu mit dem Werk auseinanderzusetzen - zumal sich auf die letzte Produktion im Opernhaus Zürich rasch der Grauschleier gelegt hatte. Zwei unterschiedliche Debüts sorgten nun für Interesse: Die Mainzer Operndirektorin Tatjana Gürbaca stellte sich mit einer nüchternen Deutung in Zürich vor. Fabio Luisi wiederum, Generalmusikdirektor (und in Wien noch Chefdirigent der Symphoniker), gab seinen Verdi-Einstand.

Information

Oper
Rigoletto
Opernhaus Zürich
Wh.: bis 26. Februar sowie
von 29. Juni bis 13. Juli


Gürbacas "Mantua" ist ein Ort, in dem sich eine degenerierte, heutige Männergesellschaft aus purer Langeweile nur dem Vergnügen hingibt. Frauen haben nur als Mittel zum Zweck Platz. Sie werden wie die Gräfin Ceprano am liebsten auf dem großen weißen Tisch in der Bühnenmitte entehrt (Bühne: Klaus Grünberg, Kostüme: Silke Willrett). Dass dabei auch bewusst der Ehemann erniedrigt wird, gehört dazu in dieser machthungrigen, sich gegenseitig belauernden Gesellschaft.

Herzog mit Papierkrone
Der Herzog ist einer von ihnen, der nur durch seine Papierkrone zu Beginn heraussticht. Im Schlussbild hat sich die gesamte Chor-Männerhorde (einstudiert von Ernst Raffelsberger) dieser Machtinsignie bemächtigt. Gürbaca zeigt den Herzog als charakterlich abgrundtief verkommenes Individuum. Sympathie kann er nur erwecken, wenn er sich als armer Student mit struppigem Haar verkleidet und dank der kupplerischen Giovanna in Rigolettos Haus schleicht, um das Herz von dessen Tochter Gilda zu brechen. Sein wahres Ich zeigt er ihr in Sparafuciles Haus, wenn er ihr für ihre "Dienste" Geld hinwirft. Dann kommt Maddalena dran (tadellos: Judith Schmid). Saimir Pirgu ist darstellerisch für diesen eindimensionalen Herzog eine ideale Besetzung. Stimmlich gefällt er mit seinem gut sitzenden Tenor und beeindruckt mit dem Glanz seiner Spitzentöne. Nur mitunter gibt er zu viel Stimme.

Sein williger Helfer Rigoletto ist der aus Hawaii stammende Quinn Kelsey. Er macht bei aller Bosheit glaubhaft, dass es auch in dieser aggressiven Männerwelt eine Grenze gibt, der kein noch so starker Panzer um die eigenen Gefühle standhält. Stimmlich braucht er etwas länger, bis er mit seinem dramatischen, für das Zürcher Haus adäquaten Bariton fesseln kann. Gildas Entwicklung geht vom unschuldigen, vom Vater abgeschirmten Töchterchen zur todesbereiten Liebenden, obwohl sie um den miesen Charakter des Geliebten weiß. Aleksandra Kurzak punktet mit einer ausgesprochen schönen Mittellage und der hohen Expressivität ihres Soprans, der im Ganzen vor allem zur gereiften Gilda im zweiten Teil des Abends passt. Tadellos ist das übrige Ensemble.

Was den Abend interessant macht, ist das Heranzoomen der Personen, die meist in gleißendem Licht gescannt werden. Stark sind auch die surrealen Momente, wenn etwa Monterone in Rigoletto dem Willen zur Rache zum Durchbruch verhilft, indem er geheimnisvoll einen Dolch neben ihn legt.

Im Einklang mit der musikalischen Regie steht das Dirigat von Fabio Luisi, unter dessen Leitung die Philharmonia Zürich präzise, immer wieder scharf und flüssig in den Tempi musiziert. Einen warmen Orchesterklang sucht man vergeblich auszumachen, doch der würde die Gesamtwirkung des Abends nur schmälern. Gürbaca und Luisi zeigen in Zürich einen valablen Weg, wie man "Rigoletto" deuten kann. Jedermanns Geschmack muss es nicht sein.




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Dokument erstellt am 2013-02-06 16:53:04
Letzte Änderung am 2013-02-06 20:03:26



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