• vom 08.04.2013, 16:41 Uhr

Klassik/Oper


Jonas Kaufmann

Eine "Winterreise" in den Wahn




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Rainer Elstner


    Jonas Kaufmann.

    Jonas Kaufmann.© apa Jonas Kaufmann.© apa

    Jonas Kaufmann bat vor seinem Liederabend im Wiener Konzerthaus für Verständnis: Nach seiner überstandenen Verkühlung sei sein Kreislauf noch angeschlagen. Doch man durfte sich entspannen: Der deutsche Tenor musste seine Stimme nur selten auf dünnes Eis führen: Mit ihrer baritonalen Färbung, ihrem breiten Strömen und tragendem Pianissimo waren die idealen Voraussetzungen für eine beeindruckende Schubert’sche "Winterreise" gegeben.

    Werbung

    Feinste Stimmengeflechte
    Kaufmanns Interpretation war in jeder Nuance packend. Text und Melodie standen sich nie im Wege, sondern ergänzten sich in Ausdruck und Klangfarbe. Jede Verszeile war in schauspielerischer Weise ausgeleuchtet, ohne der Musik Gewalt anzutun. Kaufmann gestaltete die "Erstarrung" mit eindringlicher Linienführung, die Zweige des "Lindenbaums" raunten einen weichen und sanften Ruf und die "Wasserflut" stürzte in harten dynamischen Kontrasten. Mit "Auf dem Flusse" webten Kaufmann und sein einfühlsamer Pianist Helmut Deutsch feinste Stimmengeflechte. Kaufmann nutzte die gesangliche Bandbreite von strenger, klarer Intonation bis zu opernhaften Klanggesten.

    Zuletzt vermittelte Kaufmann einen Menschen im Wahn: Mit der "Täuschung" setzte das Abheben von der Realität ein, mit dem "Wegweiser" fand sich das lyrische Ich bereits im Reich der wirren Phantasien. Die letzten Worte an den Leiermann wurden zum Mini-Drama, ein Crescendo diente als Absprungrampe in eine andere Welt. Ein Schluss, der einem für kurze Momente den Boden unter den Füßen wegzog.

    Großer Jubel für zwei grandiose Interpreten.

    Konzert

    Franz Schubert "Winterreise"

    Jonas Kaufmann, Tenor




    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
    Dokument erstellt am 2013-04-08 16:44:05


    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Der Marathonmann von Beverly Hills
    2. Blut und Loden
    3. Kaiserliches Dramolett
    4. Ist das wirklich lustig?
    5. Schuld und Erlösung
    Meistkommentiert
    1. für marlene (sechs monat)
    2. Blogger Pallenberg gab Einblick in "mafiöses Werbenetzwerk" Adblock
    3. Rechtssprache
    4. Dunkles Land
    5. Der Nächste, bitte!

    Werbung



    Klassik-CD

    Eröd, Iván: Violinkonzert

    Iván Eröd Violinkonzert u. a. Gramola,1 CD ca. 19 Euro (eb) Die größte Überraschung ist der Klavierbegleiter der Violinsonaten: Michael Korstick, eigentlich Solist und Garant für einen genau gelesenen... weiter




    Klassik-CD

    Brahms, Grieg: Cellosonaten

    Brahms, Grieg: Cellosonaten Gramola, 1 CD, ca. 18 Euro (dawa) Früher Brahms und später Grieg. Kein leichter Tabak, auch nicht für eingefleischte Kammermusikfans. Da die norddeutsche erste Cellosonate... weiter





    Bernd Ertl, 2014

    Das Art Piece "Schlaf" des Street Künstlers "SMTS" in Exarchia in der Athener Innenstadt. Die Gegend um Exarchia ist bekannt für Street Art, hier trifft sich die anarchistische Szene und auch Proteste gegen die Polizei und die Regierung finden oftmals hier statt.  Einen Tag nach der Entlassung von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann stand auf der Burg-Bühne erneut die Burg im Mittelpunkt:

    Christoph Waltz konnte diesmal "mehr beobachten und genießen", und einen Oscar überreichen... doch dazu ein paar Bilder weiter.  Prunkkassette, Sankt Petersburg, 1903, Firma: C. Fabergé, Meister: Ju. Rappoport, Medailleur: A Safonow, Silber, teilweise vergoldet
28 x 16,8 x 27 cm.


    Werbung