• vom 10.07.2013, 16:49 Uhr

Klassik/Oper

Update: 10.07.2013, 18:01 Uhr

Kammermusik

Ein musikalisches Familienfest




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Oliver Schneider

  • Kammermusikfest Lockenhaus setzt unter neuer Leitung auf Bewährtes.

Gidon Kremer in Lockenhaus nach wie vor als Musiker aktiv.

Gidon Kremer in Lockenhaus nach wie vor als Musiker aktiv.© apa Gidon Kremer in Lockenhaus nach wie vor als Musiker aktiv.© apa

Lockenhaus. Nicolas Altstaedt und Gidon Kremer sind Musiker aus zwei Generationen, die etwas Wichtiges verbindet: Lockenhaus. Altstaedt verantwortet heuer zum zweiten Mal das Programm dieses bedeutenden Kammermusikfestivals. Ins Leben gerufen hatte es 1981 Gidon Kremer. Altstaedt und sein Vorgänger haben nur die
Rollen getauscht, vom Gast zum Gastgeber und umgekehrt.


An der Struktur des Festivals hat der neue Chef nicht gerüttelt: In Lockenhaus musizieren Freunde - ohne Gage - für zehn Tage miteinander und laden ein offenes Publikum zum Zuhören ein. Das Zuckerl ist freilich, dass jeder das spielen darf, was er möchte. Was sich dann im Endeffekt doch unter das Festivalmotto subsumieren lässt. Heuer lautet es "Schuld und Sühne" als Ausdruck für den künstlerischen Schaffensprozess, beeinflusst durch Reue und Überwindung.

Ein Zentrum des ersten Wochenendes bildeten dabei Madrigale aus Carlo Gesualdos Madrigalbüchern, in den Matineen präzise artikuliert von den Neuen Vocalsolisten, unter anderem kombiniert mit neuen Madrigalen von Gerald Resch als Uraufführung. Phänomenales leisteten die Gäste aus Stuttgart, als sie in Claude Viviers "Love Songs" singend und sprechend den Geheimnissen der Liebe nachspürten.

Das hat trotz großen Applauses nicht dem gesamten Publikum gefallen. Gleichwohl darf man dem Lockenhauser Publikum eines attestieren: Es ist mehrheitlich bereit, sich auf anspruchsvolle Programme einzulassen, die zum Beispiel den Bogen von Schostakowitschs technisch höchst anspruchsvoller Sonate für Violine und Klavier in G-Dur über Nadir Vassena und Claude Vivier zum vertrauteren Ersten Klaviertrio von Schumann spannen.

Kraft und Tiefgang
Die Konzerte finden abwechselnd auf der Burg und in der Pfarrkirche statt. In Letzterer konnte man Gidon Kremer mit Mieczysław Weinbergs Dritter Solosonate erleben. Er unterlegte dem Werk eine sehr persönliche, strukturierte Deutung aus der Biografie Weinbergs und lotete im letzten Satz die Facetten des Jenseits aus. Auch in der Pfarrkirche ließ die junge chinesische Pianistin Sa Chen mit Liszts h-Moll-Ballade aufhorchen, deren Stimmungen sie mit Tiefgang und Kraft nachging.

Vor allem Betroffenheit löste das Gesprächskonzert "Theresienstadt: Musik war Hoffnung" aus. Nicolas Dautricourt, Mathieu Herzog und Nicolas Altstaedt spielten vor allem Werke von Gideon Klein, Erwin Schulhoff und Hans Krása, für die die "Stadt als ob" Zwischenstation zum Tod war, während Hermann Beil das Grauen in einer klugen Zusammenstellung aus zum großen Teil Originaltexten wachrief.

Warum es zwei Stunden danach noch ein Spätkonzert bei Kerzenlicht in der Pfarrkirche mit Schönbergs "Verklärter Nacht" und Clemens Gadenstätters "Weh" mit den Vocalsolisten aus Stuttgart geben musste, ist eine andere Frage. Die Konzerttage in Lockenhaus sind lang - nicht nur für die Künstler, die oft nach den Konzerten noch proben. Den Besucher zwingen sie zu einem musikalischen In-sich-Gehen. Lockenhaus ist wie ein großes Familienfest, zu dessen Gelingen jeder nach seinem Vermögen beiträgt.




Schlagwörter

Kammermusik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-07-10 17:53:03
Letzte Änderung am 2013-07-10 18:01:39



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Troll und Tod
  2. Fleiß, Herzblut, Achtsamkeit
  3. "Facebook wird missbraucht"
  4. Maria auf dem Tagada
  5. "Dem Krieg entkommen"
Meistkommentiert
  1. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  2. "Trocknen Sie die homogenen Sümpfe aus"
  3. Kunst- und Kulturverbände präsentieren Forderungen an die Regierung
  4. Tagebuch des Untergangs
  5. Alles gut im zweiten Anlauf

Werbung




Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.


Werbung


Werbung