• vom 30.07.2013, 16:50 Uhr

Klassik/Oper

Update: 31.07.2013, 15:38 Uhr

Salzburger Festspiele

Noch ist Falstaff nicht im Eimer




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Von Christoph Irrgeher

  • Salzburger Festspiele: Erfolgsregisseur Damiano Michieletto reüssiert mit Verdis "Falstaff"

Der Opern-Trunkenbold: Ambrogio Maestri als etwas knurriger Titelheld Falstaff.

Der Opern-Trunkenbold: Ambrogio Maestri als etwas knurriger Titelheld Falstaff.© apa/B. Gindl Der Opern-Trunkenbold: Ambrogio Maestri als etwas knurriger Titelheld Falstaff.© apa/B. Gindl

Und dann darf er es doch noch einmal. Erst wenn der Schlussapplaus wogt, wenn nur noch eine Lücke in der Verbeugungsformation zu schließen ist - dann erst zeigt sich der füllige Mann im stilechten Opernoutfit. Weinrotes Tuch umspannt nun seinen Schmerbauch, Zierstickereien glitzern daran: Ein veritabler Falstaff, vom Schnallenschuh bis zum schmierigen Haar.

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Die Stunden davor konnte der Herr nur davon träumen. Regisseur Damiano Michieletto - Jahrgang 1975, doch längst ein Erfolgsmotor im internationalen Operngetriebe - hat den Parade-Lustmolch des Giuseppe Verdi in ein Altersheim bugsiert, genauer gesagt: in einen Nachbau der Casa Verdi. Noch heute in Betrieb, hatte sie der begüterte Komponist einst für ergraute Künstler in Mailand gestiftet. Bühnenbildner Paolo Fantin empfand das Interieur nun im Salzburger Haus für Mozart nach: Ein Luster strahlt von der Decke, des Stifters Porträt von der Wand, und während hinten Essen ausgefolgt wird, döst ganz vorn ein adipöser Herr auf der Couch. Von Wein und Lebenserinnerungen übermannt, wächst er im Traum noch einmal in die Rolle des Opern-Trunkenboldes hinein. Das nötige Personal fliegt ihm buchstäblich zu: Frisch zum Fenster
hineingestiegen, zanken Doktor Cajus und Konsorten rasch mit diesem Falstaff-Wiedergänger.

Dessous en masse
So schön die Idee ist, Verdis "alten John" in diese Villa zu bugsieren: Die Heim-Holung des Falstaff riecht ein wenig nach Kulissenschieberei, schon allein, weil das Gros der Opernfiguren in historischem Kostüm steckt (Carla Teti) und herzlich wenig mit dem neuen Spielort zu tun hat. Überhaupt fehlt es da in der ersten Hälfte an sinnfältiger Verknüpfung. Gäbe es nicht ein paar Geistesblitze - ein greises Pendant zum jungen Liebesglück von Nannetta und Fenton -, man könnte sich fragen: Warum nicht "Falstaff" auf einer Bohrinsel?

Es ist dieses Lustgreis-Traumspiel bei den Salzburger Festspielen auch nicht immer ganz stilsicher. Während Fords Eifersuchtsarie wehen die Vorhänge am offenen Fenster, als wären die 80er Jahre - Stichwort: Videoclip-Ästhetik - nie zu Ende gegangen. Und wenn der Auslöser des Gattenzorns librettogemäß in die Themse zu befördern wäre, überschüttet man ihn stattdessen eimerweise mit blauem Glitter. Überhaupt, die Optik. Im Textbuch sinnt Falstaff auf eine dreisame Vergnügung; der Regisseur legt ihm schlankweg vier Dessous-Damen zu Füßen. Ein generöser Akt von Männersolidarität.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-07-30 16:53:06
Letzte Änderung am 2013-07-31 15:38:19


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