• vom 17.02.2015, 16:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 17.02.2015, 16:43 Uhr

Konzertkritik

Unaufgeregte Schönheit




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Von Katharina Wappel

  • Der polnische Pianist Rafał Blechacz im Konzerthaus.

Wenn nach einem Klavierkonzert Autogrammstunden mit dem Pianisten angekündigt sind, darf man vermuten, dass es sich bei selbigem um einen Star handelt. Insofern machte sich Rafał Blechacz am Montag als "Klassik-Popstar" verdächtig. 2005 hatte er beim Internationalen Chopin-Wettbewerb nicht nur den ersten Preis, sondern auch alle Spezialpreise der Jury gewonnen, was noch keinem Musiker vor ihm gelungen war. Ein echter Shootingstar eben.

Gleichzeitig könnte er anderen Jung-Pianisten dieser Art ferner nicht sein. Bei Blechaczs erstem Solorecital im Großen Saal im Konzerthaus gab es ein Programm aus Bach, Beethoven und Chopin. Ein Lang Lang etwa, der kürzlich ebendiesen Saal füllte, scheint plötzlich meilenweit entfernt - wobei Blechacz technisch mindestens genauso versiert ist. Aber er ist es eben auch in musikalischer Hinsicht. Verfügt dabei über einen eindrucksvoll weichen und gleichzeitig klaren Ansatz und gibt einem einzelnen Ton derart viel Ausdruck mit, dass dieser bis ins Mark vordringt, und das auf scheinbar nebensächliche Art, gänzlich unaufgeregt. Jedem Ton von Bachs "Italienischem Konzert" misst er Bedeutung bei, stellt ihn scheinbar einfach in den Raum. Emotionen werden gut dosiert: Da ist kein Spektakel, kein unnötiges Schmalz in Beethovens "Pathétique", nur gefühlvolle Schönheit. Blechacz zeigt Vergnügen an subtilen Schattierungen, spielt mit minimalen Verzögerungen. Chopins Valses und Mazurken schüttelt er aus dem Ärmel, versteht es, aus einem simplen Akkord Kunst entstehen zu lassen und wird dem Tanzcharakter der Stücke gleichzeitig gerecht. Musik, die gut tut.

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Konzert
Rafał Blechacz
Konzerthaus, Großer Saal





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Dokument erstellt am 2015-02-17 16:02:02
Letzte nderung am 2015-02-17 16:43:40



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