• vom 21.04.2015, 19:45 Uhr

Klassik/Oper


Musikvereinssaal

Sodom, Gomorrha und der fantastische Berlioz




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Kirill Petrenko und seine Münchener ließen es im Musikverein großspurig krachen.

Münchener Gastspiele im Goldenen Musikvereinssaal, die Zweite. War am Wochenende Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks  nach Wien gekommen, folgte gleich am Montag das traditionsreiche Bayerische Staatsorchester unter Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Bayerns erstes Opernorchester hatte Symphoniker mit dem passend musiktheatralischen Hintergrund im Gepäck: Hector Berlioz' "Symphonie fantastique" stellt ja die Urmutter aller Programmmusik dar. Hier verstärkte der immense Orchesterapparat das plakative Element. "Tonmaler" schien jeder einzelne Orchestermusiker inklusive Dirigent auf seiner Stirn geschrieben zu haben, lautstark berauschte der Ball im zweiten Satz, während die Landszene im Adagio reichlich Romantik schuf. Und dann der Hexensabbat: wie wildgeworden wirbelten scheinbar tausend Musiker durch den Wahn – bis zum schrecklichen Zornestag.

Maurice Ravels "La Valse" stellte sich als die gewollte Mischung aus Persiflage und melancholischer Hommage an den untergehenden Glanz im Dreivierteltakt dar – wobei das Element der Hommage überwog und Details neben dem Blick aufs große Ganze blieben. Karl Amadeus Hartmanns Gesangsszene nach Jean Giraudoux‘ "Sodom und Gomorrha" wiederum, das letzte  Werk des deutschen Tonschöpfers (1964 uraufgeführt), gelang als erschütterndes Bild menschlicher Untiefen. Hier die ruppige Partitur, da der durchwegs sanghafte Ton des Solos. "Es ist ein Ende der Welt! Das Traurigste von Allen...", stellte Bariton Christian Gerhaher abschließend nüchtern fest. Wobei: Trauer verbreitete dieser Abend nicht. Zuletzt reichlich Applaus und zugegeben ein spaßiger "Hummelflug".





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-04-21 19:07:01



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Touristen, geht aus unserer Stadt!"
  2. Tenor Jonas Kaufmann begeisterte bei Comeback in Paris
  3. "Ein Journalisten-Gefängnis"
  4. Özge rockt!
  5. Bruce Springsteen spielte Geheimkonzert für Obama-Angestellte
Meistkommentiert
  1. D wie Dame, "Die" und Diva
  2. Helfer und Hetzer
  3. Prominente schließen sich Streeps Trump-Kritik an
  4. Digital-Expertin Ingrid Brodnig verlässt das "profil"
  5. Lachen über Dschihadistinnen

Werbung




Ein Ausnahmeprojekt mit Ausnahmeproblemen: Die Elbphilharmonie, eine "gläserne Welle", die auf drei Seiten von Wasser umgeben ist. 

Billy Bob Thornton mit seinem Golden Globe für die Fernsehserie  "Goliath". Dirigent Gustavo Dudamel und die Wiener Philharmoniker am Sonntag beim Neujahrskonzert 2017.

Zu Gast bei der äthiopischen Nacht: Der Circus Debre Berhan aus Äthiopien. Der kanadische Sänger Leonard Cohen posiert auf einer Schienenschwelle, aufgenommen am 25.04.1976 anlässlich eines Konzertes in Frankfurt am Main.


Werbung