• vom 04.05.2015, 16:11 Uhr

Klassik/Oper

Update: 04.05.2015, 17:45 Uhr

Konzertkritik

Schöner Schmachten




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (56)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • David Garrett brillierte im Konzerthaus.

(irr) Romantik, das bedeutete früher einmal: große Einsamkeit, namenloses Sehnen, heilige Kunst. Romantik, das bedeutet heute: Pärchenhotel, Candlelight-Dinner und sonst noch allerlei, was die Verliebtheitshormone anreizt.

David Garrett ist ein Sendbote der Romantik im doppelten Sinn: Mit seiner stattlichen Figur, dem langen Goldhaar und der Fels-in-der-Brandung-Ausstrahlung ist der Deutsche ein souveräner Frauenherzbeschleuniger. Dank seiner Geigenkünste, die ihm den Segen und Fluch einer Wunderkindheit bescherten, darf der heute 34-Jährige aber auch als Fürsprecher einer musikalischen Ära namens Romantik gelten. Und darin bleibt Garrett Meister, wie er nun im Wiener Konzerthaus unterstrich - mag er sein volles Beau-Potenzial auch längst lustvoll in einer Crossover-Karriere ausschöpfen.

Information

Konzert
Wiener Symphoniker
Wiener Konzerthaus


Gut, ein kleines Hoppala kann auch Showgrößen passieren. So ist die Stimmung im (auffallend weiblich gefüllten) Saal zwar schon zu Beginn des Brahms-Violinkonzerts blendend; auf der Bühne liegen der Star und die achtbar begleitenden Symphoniker (Dirigent: Lahav Shani) aber rund einen Viertelton auseinander. Ein Mangel, der sich jedoch unauffällig beheben lässt: Im (erfrischend konventionswidrigen) Beifall nach dem Kopfsatz kann der Geiger nachfeilen. Und dann trumpft er befreit auf. Mögen Puristen in Garretts Spiel auch Popviren orten: Es ist nicht zuletzt sein leicht jazziges Timing, das die Melodien beredt singen lässt und ihnen am Weg zu Inbrunstgipfeln Farbe gibt - wobei sich Garretts Lust an saftigen Schleifern hier in Grenzen hält, selbst im zünftigen Finale. Jubel auch für Kreislers zugegebene "Caprice viennois" - und das "Vorprogramm" in Form einer drallen Tschaikowski-Fünften.




Schlagwörter

Konzertkritik, David Garrett

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-05-04 16:14:02
Letzte nderung am 2015-05-04 17:45:17



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. In memoriam Susanna Schuhmacher
  2. Ein Wiener Philosoph als Meister und Magier
  3. Die Rückkehr der Moral
  4. Der Spion im Fernseher
  5. Die Ursünde der EU
Meistkommentiert
  1. Bezahlmodelle unter Druck
  2. In memoriam Susanna Schuhmacher
  3. Quote mit Flüchtlingen
  4. Ö1 wird "optimiert"
  5. Filmfestival Crossing Europe startet in Linz

Werbung




Regisseur Wolfgang Murnberger (l.) mit Josef Hader ("Wilde Maus") und Schauspieler-Kollegin Pia Hierzegger.

Mary Wollstonecraft (1759 - 1797) gilt als die erste Feministin Englands. Das bekannteste Werk der Schriftstellerin, Übersetzerin und Philosophin, "A vindication of the rights of woman" ("Verteidigung der Rechte der Frau") tritt für eine Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Barry Jenkins Film "Moonlight" gewann den Oscar für den besten Film. Zuvor wurde irrtümlich "La La Land" gekürt.

Hugh Jackman winkt am Roten Teppich. Jean-Honoré Fragonard, Das Mädchen mit dem Murmeltier, 1780er Jahre.


Werbung