• vom 12.11.2015, 16:39 Uhr

Klassik/Oper

Update: 13.11.2015, 14:58 Uhr

Opernkritik

Die Wertherin




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Ein Weltstar im Repertoire-Alltag: Elina Garanča an der Wiener Staatsoper.

Verschwenderische Klangfülle: Garanča in Wien.

Verschwenderische Klangfülle: Garanča in Wien.© Staatsoper/Pöhn Verschwenderische Klangfülle: Garanča in Wien.© Staatsoper/Pöhn

(irr) Als sich Antonín Dvorak, der große Symphoniker, im Herbst seines Lebens auf die Oper konzentrierte, war der Erfolg enden wollend. Der Starkomponist musste nicht nur zusehen, wie so manches seiner Stücke durchfiel; er bekam auch noch wohlmeinende Tipps. Er solle, so hieß es etwa, todgeweihte Figuren nicht übereilt sterben lassen – den Tod gelte es nämlich auszukosten auf der Opernbühne.

Tatsächlich ist das so etwas wie eine goldene Regel der Zunft, und kaum einer hat sie so geflissentlich beherzigt wie Jules Massenet. Eine geschlagene Viertelstunde lässt er den Selbstmörder Werther – mit bereits durchschossener Brust – auf den letzten Atemzug zusiechen. Wobei: Das Leidenspathos hat im Fall der Goethe-Vertonung eine gewisse Berechtigung. Immerhin ist der Weltschmerz des jungen Werther vom ersten Ton an Handlungsmotor und treibt die übrigen, eher maßvollen Figuren an – nicht zuletzt die geliebte, doch hoffnungslos vergebene Charlotte.

Information

Oper
Werther
Wh.: 14., 16. und 20. November
www.staatsoper.at


In der aktuellen Spielserie der Staatsoper verkörpert Matthew Polenzani den Schmerzensmann. Ein Tenor, der Spannung aus Stille zu formen wüsste, ist er leider nicht. Nur im schallstarken Moment, da mutiert er zu einem Supermann der Inbrunst und singt Himmel und Hölle nieder.

Der gehörnte Albert – in Gestalt von Markus Eiche – ist zwar auch nicht kleinlaut, leidet aber an Intonationsproblemen. Damit agiert er ähnlich wie das Orchester unter Frédéric Chaslin: Zu schwammig musiziert es, als dass der an sich satte Klang unter die Haut gehen könnte. In Summe (und auch dank Hila Fahima als putziger Sophie) gelingt aber doch eine Demonstration von solidem Mittelmaß.
Über dieses ragt nur Charlotte selbst hinaus, verkörpert von Elina Garanca. Dass sie ein Weltstar ist, erschließt sich zwar nicht vom ersten Ton an. Mit der Zeit aber stellt sich ihr typischer, weißglühender Klang mit dem warmen Vibratomantel ein und transportiert eine schier verschwenderische Leidenschaftsfülle – womit Garanca zum eigentlichen Werther dieses Repertoire-Abends wird. Jubel dafür.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-12 16:23:05
Letzte ─nderung am 2015-11-13 14:58:28



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Klasse der Nutzlosen
  2. Alle Augen auf Larissa
  3. In eigener Sache
  4. Superform und iPhones
  5. Die Ära des geilen Mannes
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Die Ära des geilen Mannes
  3. Schönheitskönigin
  4. "Das ist es, wofür ich stehe"
  5. Die Überwindung des Marianengrabens

Werbung




Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung