• vom 11.02.2016, 16:42 Uhr

Klassik/Oper

Update: 11.02.2016, 16:59 Uhr

Konzertkritik

Froher Frühling, traurige Steppe




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Von Christoph Irrgeher

  • Elina Garanča und Malcolm Martineau begeisterten im Musikverein.

Auch die Regel, man sollte nur Gulasch aufwärmen, hat ihre Ausnahme. Stimmt zwar: Es zeugt nicht gerade von Innovationskraft, dass Elina Garanča, der Mezzosopran-Star aus Lettland, im großen Musikvereinssaal soeben genau den gleichen Liederabend absolviert hat wie vor einem Jahr an der Wiener Staatsoper. Weil Garanča aber singt wie keine und Malcolm Martineau der Idealfall eines Klavierbegleiters ist - unaufdringlich in seinem Feinsinn, einem Klangfluss ohne verkünstelte Ruckeleien verpflichtet und im Zusammenspiel wie verschworen mit der Sängerin -, mag die zweifache Jungmutter das Programm getrost noch öfter wiederholen. Es dürfte stets Sternstunden hervorbringen.

Kraftvolle Lieder, fein gestaltet: Elina Garan a.

Kraftvolle Lieder, fein gestaltet: Elina Garan a.© Schirnhofer/DG Kraftvolle Lieder, fein gestaltet: Elina Garan a.© Schirnhofer/DG

Kapitale Wehlaute

Auch aus anderen Gründen sitzt dieser Abend so gut. Dem Problem eines Publikumsmagneten, Kammermusik nicht im entsprechend kleinen Rahmen betreiben zu können, begegnet Garanča klug. Acht schwerblütige Lieder Sergei Rachmaninows hat sie sich ausgesucht, Lieder, deren kapitale Wehlaute nur so nach einer größeren Bühne schreien. Und für die hat Garanča, der Opernstar mit den glühenden Tönen, auch ohne Regie die rechte Inbrunst. Die Sehnsucht nach einem alten Georgien: Umschmiegt von schillernden Klavierarabesken, schleudert Garanča sie mit Speeresschärfe aus sich heraus.

Wird ihr Klang für drei Lieder von Henri Duparc ganz lichtes Schweben, bietet sie im ausgedehnten Brahms-Block vor der Pause das gesamte Arsenal ihrer Gestaltungskräfte auf. Und das ist beträchtlich: vom satten Brustregister zu schroffen Gipfeln, von gruseliger Dringlichkeit ("Alte Liebe") zu federnden, wie beiläufig gesetzten Akzenten (selbst im Jubel von "Liebe und Frühling II"). Am schönsten aber vielleicht, wenn Garančas reiches Timbre entspannt in allen Schattierungen schillert, wie in "Ruhe, Süßliebchen" oder in der Richard-Strauss-Zugabe "Morgen". Versunkenes Sinnen, bis in die Stille hinein.

Information

Konzert
Elina Garanča (Mezzosopran)
Wiener Musikverein





Schlagwörter

Konzertkritik, Elina Garanca

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-11 16:47:11
Letzte nderung am 2016-02-11 16:59:50



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