• vom 20.06.2016, 15:42 Uhr

Klassik/Oper

Update: 21.06.2016, 12:53 Uhr

Konzertkritik

Instinkt und Präzision




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Von Rainer Elstner

  • Die Wiener Philharmoniker unter Andrés Orozco-Estrada.

Als Einspringer hatte er bereits zweimal für Furore gesorgt, nun dirigierte Andrés Orozco-Estrada sein erstes reguläres Konzert mit den Wiener Philharmonikern im Rahmen ihrer Abonnementkonzerte. Das Programm war wie maßgeschneidert für den quirligen Kolumbianer: Zwei symphonische Tanz-Sammlungen umrahmten das Vierte Violinkonzert von Henri Vieuxtemps, interpretiert von Hilary Hahn als ruhigem Gegenpol.

Orozco-Estrada weiß musikalischen Instinkt mit Präzision zu verbinden. Wie erwartet, zündete die Motivationsrakete: Der 38-Jährige riss die Philharmoniker zu engagiertem Spiel mit. Die "Tänze aus Galánta", eines der bekanntesten Werke von Zoltán Kodály, ließ der in Wien ausgebildete Dirigent rhapsodisch-frei anheben, um dann umso zwingender Fahrt aufzunehmen. Synkopen blitzten, der Streicherklang blühte, die Holzbläser flirrten flirtend - immer im musikalischen Fluss, ohne falschen Pomp. Achtsam ging man auch mit Rachmaninows "Symphonischen Tänzen" (op. 45) um. Melodische Details wurden ausgekostet, ausdrucksstarke Holzbläser-Figuren leichtfüßig miteinander verschränkt. Eine rhythmisch markige, pointiert federnde Tanz-Exegese.


Befreit von Erdenschwere
Der Geigerin Hilary Hahn legten die Philharmoniker für Vieuxtemps’ Violinkonzert op. 31 einen perfekt intonierten Klangteppich zu Füßen. Darüber ließ die US-Amerikanerin ihren silbrig singenden Erzählton schweben und trat mit der Cello-Gruppe in einen sinnlichen Dialog. Hahns Spiel schien von Erdenschwere befreit: atemberaubende Perfektion und Intensität bei größter Contenance.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-20 15:47:07
Letzte nderung am 2016-06-21 12:53:06



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